Das Tagebuch der Anne Frank

Das Tagebuch der Anne Frank ist nicht das einzige Zeugnis von jungen Juden, die von den Nazis verfolgt und getötet wurden. Viele Tagebücher sind in den letzten Jahren erschienen, konnten aber doch nie Das Tagebuch der Anne Frank verdrängen. Ich erinnere mich noch als Pubertierender in Sommerferien dieses Abenteuer gelesen zu haben. Nie vergesse ich dieses Leseerlebnis. Verraten wurde Anne Frank, ihre Familie. Nach Auschwitz deportiert. Und ich hatte bis zum Schluss Hoffnung wider alle Hoffnung, dass dieses lebendige Mädchen gerettet würde. Dienstag, am 6. Juni 1944 begann die Invasion der Alliierten in der Normandie. Die ersehnte Befreiung für Anne Frank. Mit Anne Franks Hoffnung lebte auch meine Hoffnung auf Rettung auf.

Stimme von Millionen Juden

Damals lebte Anne Frank schon zwei Jahre unentdeckt in einem Amsterdamer Hinterhaus, dem Sitz einer Handelsfirma. Unter anderem von Miep Gies, der Sekretärin, versorgt. Doch kurz vor dem rettenden Sieg der Alliierten in Holland dringt die Gestapo ins Haus, von einem anonymen Anrufer benachrichtigt. Anne Frank stirbt in Bergen-Belsen. Eine Mitgefangene schrieb über die letzte Begegnung: „Es war ein Mädchen von noch keinen 16 Jahren. Es hat ausgesehen wie eine Frau von 40, 50 Jahren.“ Nur ihr Vater Otto Frank überlebte den Holocaust und veröffentlichte nach dem Krieg das Tagebuch seiner Tochter.

Unglaublich, wie reflektiert die junge Anne Frank ihr Tagebuch schrieb. Etwa: „Die unbesorgte, unbekümmerte Schulzeit kommt nicht wieder. Ich sehne mich auch nicht mehr danach zurück. Ich bin darüber hinausgewachsen. Nur so harmlos vergnügt sein, das kann ich nicht mehr. Ein Teil von mir bewahrt doch immer seinen Ernst. Ich sehe mein Dasein bis zum Beginn dieses Jahres wie unter einer scharfen Lupe. Zuhause das Leben mit viel Sonnenschein, dann 1942 hierher, der plötzliche Übergang. Ich konnte das nicht alles verarbeiten.“

Anne FrankWas an Anne Frank fasziniert

Auf wenigen Quadratmetern stillt sie ihren Wissensdurst, ihre Liebe zum Schreiben, die Freiheit nur wenige Meter entfernt. Streit, Unverständnis von Seiten der Eltern, Auseinandersetzungen mit anderen Mitbewohnern, erste Liebe, Träume … Die Tiefe ihrer Gefühle und dabei zugleich die Fähigkeit, sich schonungslos über ihre Empfindungen Rechenschaft abzulegen, berührt über die Zeiten hinweg. Ich denke, das ist der Grund, warum das Tagebuch der frühreifen, hoch begabten und eigenwilligen Anne Frank auch heute noch gelesen wird und Jugendliche Jahrzehnte nach ihrer Verhaftung und Ermordung bis ins Innerste nachempfinden können, was es damals bedeutete Jude zu sein, den täglichen Horror des Antisemitismus zu erleben. Kein Wunder, dass Rechtsextreme in aller Welt das Tagebuch der Anne Frank ein Dorn im Auge ist und es immer wieder bei Sonnwendfeiern verbrannt wird. Denn es spricht für sechs Millionen Menschen in der Stimme eines kleinen gewöhnlichen Mädchens.

Buchnews findet: Das Tagebuch der Anne Frank ist in jeder Generation neu zu entdecken!

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Martin Lüders, Wer den Wind sät

Was westliche Politik im Orient anrichtet besorgt schon seit Jahren. Die Auswirkungen der westlichen Politik im Orient werden immer bestürzender: Staatszerfall, extremistische Terrorgruppen, unermessliches Leid der Zivilbevölkerung sind die offensichtlichen Folgen einer verfehlten Politik, die Jahrzehnte zurückreicht und nicht unwesentlich von westlichen Geheimdiensten beeinflusst war.

Die Stoßrichtung von Wer den Wind sät

wer den wind sätKlar, nicht nur der Westen – vor allem die USA und Großbritannien – haben im Orient Fehler gemacht und sich als Brandstifter betätigt. Doch Michael Lüders beschränkt sich in seinem Buch auf die westliche Seite, weil sich hier am ehesten Denk- und Handlungsweisen ändern könnten. Vor allem, so Lüders, sollte der Westen seine unsägliche Neigung aufgeben, Konfliktparteien in gut und böse einzuteilen und die böse Seite zu dämonisieren (Mossadegh, Nasser, Saddam Hussein, Ahmadinedschad, Baschar al-Assad …). Als gut und werteorientiert sieht sich der Westen. Er glaubt, Vertreter von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten zu sein. Wie wenn der Westen keine eigenen materialistische, politische Interessen hätte! Weil der Westen die gute Seite ist, hat er natürlich das Recht, die Bösen zu bestrafen, ob durch Wirtschaftssanktionen oder durch kriegerische Eingriffe.

Noch glaubt der Westen an seine wirtschaftliche und militärische Allmacht, doch längst stößt sie an Grenzen und eine multipolare Welt kann nicht mehr vom Westen gesteuert werden. Statt auf Konfrontation zu setzen empfiehlt Lüders die Kooperation und die Einsicht in das Versagen etwa des Krieges gegen den Terror. Dabei zeigt er detailliert, welche politischen Entscheidungen im Westen zu welchen tragischen Folgen in der arabisch-islamischen Welt führen – ohne zu belehren oder zu polemisieren.

Gegen Dummheit und Ignoranz

Unwillkürlich schämt man sich als politisch denkender Mensch des Westens über die hegemoniale Selbstherrlichkeit, Dummheit und Ignoranz, die in Lüders Buch aufscheint. Und man fragt sich, wie über Jahrzehnte ständig die gleichen Grundmuster westlicher Politik wiederholt werden, ohne dass einer unserer Staatlenker zur Einsicht kommt, eine Neuausrichtung der Nahost-Politik zu versuchen. Dem Leser wird klar: Im Umgang mit der hochkomplexen Region vor den Grenzen Europas sollte mehr Demut an den Tag gelegt werden. Ein Anfang wäre schon, dass wir die Dummheit und Ignoranz unserer Politiker im Westen ächten. Wir dürfen die Dilettanten-Fehler unserer Politiker nicht länger zulassen! Lüders bleibt also nicht beim Negativen, sondern zeigt auch Ansätze von Lösungen auf, was etwas Hoffnung macht, aber für uns Bürger auch eine Aufgabe sein muss.

Michael Lüders ist kein Mann, der vom heimischen Schreibtisch aus die Krisen in Nah- und Mittelost beobachtet. Als ehemaligem Nahost-Korrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT kann ihm niemand etwas vormachen, denn er kennt und bereist die Region und gilt als ausgewiesener Experte, spätestens seit seinen Büchern Tage des Zorns und Iran – der falsche Krieg. Sein neues Buch Wer den Wind sät muss als Schwarzbuch der westlichen Politik im Orient gelesen werden.

Wer sich durch die offiziellen Verlautbarungen unserer westlichen Politikerriege zur Lage in Nahost oder Mittelost nicht verdummen lassen will, wem die Lage dort zu unübersichtlich erscheint, aber gerne verstehen will, was dort geschieht, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen! Nach dem Lesen wird er vielleicht zum ersten Mal das Gefühl haben, mitdenken und mitreden zu können.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Wer den Wind sät!

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Ellen Berg, Alles Tofu, oder was?

ellen bergEllen Berg ist Erfolgsautorin. Die Germanistin, Reiseleiterin und Gastronomin begeistert ihre LeserInnen bisher mit Romanen wie „Du mich auch. Ein Rache-Roman“, „Das bisschen Kuchen. (K)ein Diät-Roman“, „Den lass ich gleich an. (K)ein Single-Roman“, „Ich koch dich tot. (K)ein Liebesroman“, „Gib’s mir Schatz. (K)ein Fessel-Roman“, „Zur Hölle mit Seniorentellern. (K)ein Rentner-Roman“ und „Ich will es doch auch. (K)ein Beziehungsroman“. Leser und Kritik bezeichnen ihre Werke als spannende und witzige Frauenromane, die Lesespaß garantieren. Ihr herrlich fieser Humor sei eine köstliche Lektüre für die Badewanne – entspannend, lustig und herzerwärmend. Hin und wieder rechne sie spitz mit den Männern und ihren abstrusen Gedanken ab.

(K)ein Kochroman: Alles Tofu, oder was?

Nun gibt es von Ellen Berg ihr neuestes Buch Alles Tofu, oder was? (K)ein Koch-Roman. Darin treffen Fleischesser auf Veganer und tasten sich an die Lebensweise des jeweils anderen heran. Schnell wird klar, welche Tücken die Annäherung hat. Da kommt keine Sekunde Langeweile auf. Hauptperson ist Dana. Sie betreibt das Bistro Paradies, ein kleines Lokal, das sie auf vegane Küche umstellt. Damit vertreibt sie alle Stammgäste – außer Philipp. Selbst ihr bisheriger Lebensgefährte Paul verlässt sie, weil er lieber Currywurst als Quinoa isst. Es kommt noch schlimmer, als ihr Vater bei ihr einzieht. Ebenfalls Fleischesser. Dazu pensionierter Lehrer, der alles besser weiß. Die Krönung sind Immobilienhaie, die sich das Haus mit dem Lokal und Danas Wohnung unter den Nagel reißen wollen. Dana wachsen die Probleme über den Kopf.

In dieser Situation „erfindet“ ihr vietnamesischer Koch Hung Tai ein Liebesmenü. Das wird zum absoluten Renner. Plötzlich stürmen Gäste ihr Lokal und selbst ihr Vater wird ihr zur Unterstützung. Dass plötzlich noch ihr Herz in Flammen steht, macht den Roman zu einer veganen Liebesgeschichte. Wendet sich die Pechsträhne für Dana doch noch?

Typisch Ellen Berg

Ganz nebenbei lernen LeserInnen ein wenig die vegane Küche kennen, sie sehen, wie überzeugt man von einer Lebenseinstellung sein muss, um sie im Alltag umsetzen zu können. Das schmeckt nicht jedem, wie an dem interessanten Thema vegane Ernährung gezeigt wird. Kulinarik, Intrige, Verzweiflung, Hoffnung, Familie und Liebe bringen den Mix, der das Thema über die Buchstrecke trägt. Schon die Cover-Gestaltung macht klar, dass es sich bei Alles Tofu, oder was? um ein typisches „Ellen-Berg-Berg“-Buch handelt – also eine gute Balance von leichter Unterhaltung und etwas Tiefgang.

Und noch eine Warnung

Vor einer Sache möchte ich aber warnen, wenn Sie sich nach der Lektüre des Buches für eine vegane Ernährung entscheiden: Essen Sie nicht zu viel Tofu! Vor wenigen Tagen meldete die Presse, dass einem 55-jährigen Chinesen 420 Nierensteine entfernt werden mussten, weil er zu große Mengen des proteinhaltigen Fleischersatzes gegessen hatte. Tofu enthält sehr viel Calcium, das vom Körper nur abgebaut werden kann, wenn man genügend Wasser trinkt!

Hier finden Sie mehr Informationen zu Alles Tofu, oder was?

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Wiedersehen im Café am Rande der Welt von John Strelecky

Zum Bestsellerautor wurde John Strelecky mit seinem Buch Das Café am Rande der Welt. In der Mitte von Nirgendwo angekommen, liest der stets gehetzte Werbemanager John auf der Speisekarte neben dem Menü des Tages drei Fragen: Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben? Er unterhält sich mit den Menschen in dem Café über die Fragen und diese Diskussionen bringen ihn auf eine neue Ebene des Verständnisses seines Lebens und seines Platzes darin. Möglich, dass Strelecky hier viel eigene Erfahrung verarbeitet hat.

John Strelecky als Coach und Autor

Er war Pilot, musste dann aber wegen eines Herzproblems seinen Beruf an den Nagel hängen. Danach studierte er Management und besuchte Costa Rica, wo er zum ersten Mal begann, über das Leben nachzudenken, den Sinn des Lebens zu suchen. Die damit verbundenen Erkenntnisse flossen in Das Café am Rande der Welt ein. Zurück in Amerika arbeitete John Strelecky fünf Jahre lang als Strategieberater für Großunternehmen, um dann mit seiner Frau auf Rucksackreise um die Welt zu gehen. Nach einem Jahr kehrten die Beiden zurück und in 21 Tagen tippte er sein Café-Buch in den Computer. Er hielt einfach seinen Bewusstseinsstrom fest und veröffentlichte das Buch zunächst als Selfpublisher. Erst 2005 übernahm es ein Verlag und wenige Monate später landete es auf Bestseller-Listen.

John Strelecky vermittelt in Seminaren seine Lebensweisheit. Seit 2009 auch in Deutschland, denn mehr als eine Million Menschen lasen hier sein erstes oder eines der folgenden Bücher (Safari des Lebens, The Big Five for Life, Reich und glücklich). Ein wichtiges Ziel wurde ihm die Veränderung des Arbeitslebens und der Unternehmenskultur von Firmen, was er in The Big Five for Life niederschrieb. Jeder muss seinen ganz persönlichen „Zweck der Existenz“ finden. Es reicht meist aus, seine eigene Lebensausrichtung nur um 2 oder 3 Prozent zu ändern – und schon kommt man an einer völlig anderen Stelle an.

Neu: Wiedersehen im Café am Rande der Welt

wiedersehen im cafe von streleckyJohn Streleckys neues Buch Wiedersehen im Café am Rande der Welt setzt das erste Café-Buch fort. Auch hier zeigt sich der Autor nicht als weltfremder Esoteriker, sondern als Praktiker, der weiß, dass wir persönliche Lebensziele mit unserer Arbeit in Einklang bringen müssen, um nachhaltig zufrieden zu sein. The Big Five for Life stehen für den eigenen Maßstab für Erfolg und Erfüllung im Leben. Diesen Lebenszweck hat der einstige Erzähler John, der gestresste Manager aus dem ersten Café-Buch, umgesetzt und ist dadurch ausgeglichener und glücklicher geworden. Nun ist er auf einer Radtour durch Hawaii und erinnert sich daran, wie sich sein Leben vor Jahren schlagartig verwandelte. Jetzt kann sich John der attraktiven Jessica zuwenden, die unglücklich mit ihrem Leben ist. Warum? Weil sie in ein stressiges Arbeitsleben eingebunden ist und das tut, was andere von ihr erwarten. Dabei verlor sie ihre eigenen Wünsche und Ziele aus den Augen. Als Mentor hilft ihr John jetzt, sich auf den persönlichen Sinn ihres Lebens zu konzentrieren. So gesehen ist Wiedersehen im Café am Rande der Welt eine Anleitung, wie man aus dem täglichen Hamsterrad entkommen kann.

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Bruno Preisendörfer, Als Deutschland noch nicht Deutschland war

reise in die goethezeitDas Buch von Bruno Preisendörfer Als Deutschland noch nicht Deutschland war umgeht geschickt die Antwort auf die Frage: Seit wann ist Deutschland Deutschland? Seit 1990 und der Wiedervereinigung? Seit 1918/19 und dem Versailler Vertrag? Seit 1871? Oder … Bruno Preisendörfer behauptet mit dem Untertitel „Reise in die Goethezeit“: Damals war Deutschland noch nicht Deutschland. Und in diese Zeit nimmt er uns als „armchair traveller“ mit, denn eine Zeitmaschine ist leider noch nicht erfunden.

Reise in die Goethezeit

Die Goethezeit, so bezeichnete das deutsche Bildungsbürgertum die Jahre um 1800 nach einem Minister und Schriftsteller im kleinen thüringischen Residenzstädtchen Weimar. Auch diese Epochenbezeichnung wird kommentarlos akzeptiert. Der Preisendörfersche Zeitreiseführer in die Goethezeit hat kaum etwas Systematisches, dafür viel Erzählerisches, Anekdotisches. Zeitzeugen von damals kommen zu Wort und berichten über Kultur, Politik, Wirtschaft, Soziales und Banales, Kleines und Großes. Das mag ich. Ehrlich. Anekdoten- und Quellen-Sammlungen finden in mir immer einen interessierten Leser. Sie bringen mir anders als Fachbücher die Person, den Gegenstand oder das Ereignis auf eine charmante Art näher, aus einem ungewohnten Blickwinkel, auf eine erheiternde Weise oder so, dass ich mich anschließend frage: Und wie hätte ich mich in dieser Situation verhalten? Das hat etwas Anrührendes.

Die Goethezeit beschreibt Preisendörfer als Umbruchszeit. Als Zeit der Französischen Revolution, des Siebenjährigen Krieges, der Staatsbildung Amerikas, der napoleonischen Kriege, des Zusammenbruchs des Heiligen Römischen Reiches, Metternichs Restauration, des Hungers, der Pocken, der ersten Kolonialwaren, des Aufkommens von Manufakturen und Fabriken, der Verarmung des Adels, der Etablierung des Bürgerstandes … Aber manches Alte hielt sich auch. Die Arbeit wurde noch immer vom Gesinde erledigt, die Häuser und Höfe noch wie vor Jahrhunderten gebaut, viele Menschen glaubten trotz Aufklärung an Hexen, Dorfpfarrer trieben den Teufel aus.

Als Deutschland noch nicht Deutschland war konkret

Und dann steht der Leser plötzlich am 7. November 1775 morgens um fünf ohne Handy, Brille, Brieftasche und Uhr vor dem Haus des Kammergerichtspräsidenten von Kalb und sieht zu, wie die Kutsche von Goethe vorfährt. Oder er sitzt 1773 acht Tage auf dem Rücken eines Pferds von Berlin nach Danzig und begleitet den Kupferstecher Daniel Chodowiecki. Stunden verbringt der Leser zwischen Bauernkindern auf Schulbänken oder besucht Vorlesungen an den Universitäten von damals. Mit E.T.A. Hoffmann muss der Leser einen Schiffsunfall auf der Oder bestehen und er beobachtet die Beerdigung von Gottfried August Bürger. Schon angesichts dieser wenigen Andeutungen, was uns in Preisendörfers Goethezeit-Buch begegnet, dämmert, dass es nicht nur die „gute alte Zeit“ ist, die uns hier begegnet. Mit Idylle hatte der damalige Alltag in Deutschland so wenig zu tun wie heute.

Bruno Preisendörfer entfaltet ein faktenreiches Kaleidoskop der Sozial- und Kulturgeschichte der Zeit um 1800, das sich zu lesen lohnt. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass es um 1800 rund um die Uhr nervenzehrend zuging, dass das Leben meist kalt, schmutzig und lebensbedrohlich war. Und das in allen etwa 300 Territorien, die es damals auf dem Boden Deutschlands gab – vom stattlichen Königreich bis zur handtuchgroßen Prälatur. Da hilft es nichts, die Stiche von damals in Gold zu rahmen. Preisendörfer faselt nicht vom Geist der Goethezeit, sondern zeigt ihren nackten Körper, geht ihr quasi „an die Wäsche“. Für uns Heutige ist die Reise in die Goethezeit dennoch nicht an allen Stellen eine schwierige Expedition, denn mit den Intellektuellen von damals können wir uns verständigen. Sie lebten im Frühjahr unserer Epoche. Die kulturelle Verfeinerung, die heutige Wohnkultur, die Art heutigen gesellschaftlichen Umgangs hatte in Ansätzen begonnen. So wechseln sich Vertrautheit und Fremdheit auf unserer Goethezeit-Reise ab.

Wer mag, kann das Buch als einen unterhaltsamen Geschichtsunterricht betrachten. Die Quellen, Berichte von Zeitzeugen, lassen die Dimensionen der sozialen Unterschiede jener Zeit deutlich werden, die Armut der niederen Stände, die Privilegien der herrschenden Klasse, den Alltag der Menschen in unterschiedlichen Schichten auf dem Land und in der Stadt und sie beleuchten die Themen Familie, Sexualität, Natur und Tod. Auf jeden Fall kann der Leser im Spiegel der damaligen Zeit unsere heutigen Sorgen aus einem anderen Blickwinkel betrachten.

Noch mehr Informationen über das Buch von Bruno Preisendörfer über die Goethezeit finden Sie hier!

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Susan Abulhawa, Als die Sonne im Meer verschwand

Der Diana Verlag hat schon einige Jahre auf dem Buckel. 1935 gründeten Dr. Siegfried Menzel und seine Frau den Humanitas Verlag in der Schweiz. Dort erschienen Autoren wie Robert Musil, Friedrich Torberg oder Ernst Weiß, also Schriftsteller, die den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge waren. 1947 wurde daraus der Züricher Diana Verlag. In den folgenden Jahrzehnten fanden hier bedeutende Autoren wie John Steinbeck, Sommerset Maugham, Pearl S. Buck oder Sinclair Lewis eine deutschsprachige Heimat. Mitte der 1990er Jahre kam der Verlag in die Hände von Rolf Heyne. Programmschwerpunkte waren Sachbuch und Belletristik. 1998 eröffnete der Taschenbuchverlag von Diana und gab renommierte Autoren wie Annie Proulx oder Doris Lessing heraus. Im Dezember 2000 verkaufte Heyne seine Verlage an die Axel Springer AG und Diana wurde Teil von Ullstein Heyne List, aber nur bis 2003. Seit damals gehört Diana zur Verlagsgruppe Random House. Heute versteht sich Diana als Verlag für das weibliche Publikum im Hardcover wie im Taschenbuch und kann viele internationale und nationale Bestseller vorweisen. Vor allem im Bereich psychologische Spannung und moderne Frauenunterhaltung. Autorinnen sind u. a. Nora Roberts, Simone van der Vlugt, Jeannette Walls, Kate Morton, Bertina Henrichs, Brigitte Riebe, Kirsten Schützhofer, Andrea Vanoni oder Hera Lind.

susan abulhawaSusan Abulhawa und Während die Welt schlief

In diesem gehobenen Frauen-Verlag veröffentlichte Susan Abulhawa schon ihren Debütroman Während die Welt schlief, der zum Bestseller und in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Darin erzählte Abulhawa von dem Flüchtlingsmädchen Amal. Es wächst zuerst in einem Flüchtlingslager auf, kommt dann nach Amerika und trägt doch immer ihre Heimat im Herzen. Nie vergisst das Mädchen, dass ihr der Vater im Lager aus den Werken großer Dichter vorlas und so Momente der Hoffnung und des Friedens für sie schuf, während um sie herum der scheinbar aussichtslose Konflikt zwischen Palästina und Israel tobte. Es ist eine bittere Geschichte, die von den Palästinensern im 20. Jahrhundert getragen werden musste. Susan Abulhawa verfolgt sie über vier Generationen hinweg und lässt eine zerrissene Familie den Verlust der Heimat durchleben.

Neu: Als die Sonne im Meer verschwand

Während die Welt schlief hatte etwas Autobiografisches, denn Susan Abulhawa wuchs selbst als palästinensisches Flüchtlingskind auf. Zuerst in Kuwait, dann in Jordanien und Jerusalem. Später übersiedelte sie in die USA, wo sie sich für die Menschenrechte und eine Verbesserung der Lebensumstände von palästinensischen Kindern in besetzten Gebieten engagiert. Dem Thema ihres Lebens bleibt Susan Abulhawa auch in ihrem neuen Roman Als die Sonne im Meer verschwand treu. Diesmal geht es um die Palästinenserin Nur. Sie kennt die malerischen Dörfer Palästinas allein aus Erzählungen ihres Großvaters, denn sie wuchs in Amerika auf. Mit Jamal tritt ein Arzt aus Gaza in ihr Leben, der sie nach Palästina einlädt. Nur reist in das Land ihrer Eltern und ist überwältigt von den Eindrücken, von der ineinander verflochtenen Geschichte der Israelis und Palästinenser. Dazu kommt die Liebe zu Jamal, aber auch eine bittere Wahrheit, die sie über ihn erfährt.

Susan Abulhawa erlebte Ähnliches, als sie im Jahr 2000 nach Palästina reiste. Diese Reise machte sie zur politischen Aktivistin, die für die Sache der Palästinenser kämpft. Gewaltlos. Playgrounds for Palestine heißt die NGO, die sie ins Leben rief. Die Organisation sammelt Geld, um in den Palästinensergebieten Spielplätze für Kinder bauen und unterhalten zu können. Außerdem war Abulhawa eine Mitbegründerin der Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions. Die Kampagne boykottiert Waren und Lebensmittel, die israelische Firmen im Westjordanland herstellen.

susan abulhawaAls die Sonne im Meer verschwand rüttelt wach

Als die Sonne im Meer verschwand ist wieder eine dramatische Familiengeschichte. Wir lernen über die amerikanische Psychologin Nur eine Mutter mit drei Kindern kennen, deren Heimat vom Krieg überzogen wird, weshalb sie nach Gaza flüchten muss. Wir durchleben alle Gefühle mit der Familie, von Glück bis Schmerz, ohne die Hoffnung zu verlieren, denn auch im Elend kann man ein lebenswertes Leben führen. Die Erfahrungen in Gaza verbinden Nur mit ihren palästinensischen Wurzeln und auch wir Leser tauchen tief in die Geschichte der palästinensischen Familie ein, deren Geschichte eng mit dem politischen Konflikt in der Region verknüpft ist. Statt Menschen, die in Frieden leben, die Olivenfelder bearbeiten, im Meer fischen, wird Nur, werden wir mit der Not der Flüchtlinge konfrontiert und sehen das menschliche Antlitz des ungelösten „Palästinenserproblems“. Die besonders leidgeprüften Menschen dort bewahren ihr Heimatrecht mit Überlebenswillen und Herzenswärme inmitten der grausamen Realitäten.

„Einst lag das grüne und sandige Gaza an der wichtigsten Handelsroute zwischen Nordafrika und Europa. Es war das Zentrum des Gewürzhandels. Die Palästinenser aus Gaza waren angesehene Künstler, die schon vor über 2000 Jahren hochwertigen Schmuck herstellten. Adel und Pilger drängten nach Gaza.“ So erzählte der Großvater Nur von der palästinensischen Heimat. Und Nur ging mit ihrer amerikanischen Gutmenschen-Begeisterung ins Land ihres Großvaters und dachte, sie könnte kaputte Menschen in Ordnung bringen und verwundete Orte wie Gaza heilen. Doch es kommt alles anders. Nur und wir tauchen in eine andere Welt, in der uns das Leben der Menschen in der Krisenregion Gaza mitnimmt und wir am Ende die Frage stellen, wer kaputter ist: Wir oder die Menschen im Elend, deren Liebe zueinander zwischen den Zeilen jeder Buchseite zu spüren ist. Ein Buch, das schockiert, wachrüttelt und Augen öffnet.

Hier finden Sie weitere Informationen zu dem Buch Als die Sonne im Meer verschwand!

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Anna Erelle, Undercover-Dschihadistin: Flirten & rekrutieren

Wer wollte nicht geliebt werden? Wer erträumt sich nicht ein Leben, in dem er beschützt ist und die Dämonen dieser Welt fern sind? Sicher wollen wir alle ein Leben führen, in dem uns andere respektieren. Manche hoffen auf ein Leben wie in einer großen Familie. All dies verspricht der IS (Islamischer Staat) jungen Männern und Frauen, die er rekrutiert. So berichtet es die französische Journalistin Anna Erelle in ihrem Buch Undercover-Dschihadistin. Natürlich ist Anna Erelle ein Pseudonym, denn nach der Veröffentlichung ihres Buches über die Rekrutierungsmethoden islamistischer Milizen ist ihr Leben nicht mehr sicher. Eine Fatwa bedroht sie und sie steht unter Polizeischutz.

Anna Erelle – von einer Fatwa bedroht

Eine Fatwa? Was ist das? Gerade vergaßen wir Westeuropäer, was eine Novene ist, und müssen jetzt lernen, was eine Fatwa bedeutet. Laut Wikipedia eine von einer muslimischen Autorität auf Anfrage erteilte Rechtsauskunft, die ein religiöses oder rechtliches Problem lösen soll. Wir erinnern uns, dass vor vielen Jahren der Schriftsteller Salman Rushdie aufgrund einer Fatwa sterben sollte. Ayatollah Khomeini verurteilte ihn wegen angeblicher Gotteslästerung in dessen Buch Die satanischen Verse zum Tod. Es gibt Tabak-Fatwas (auch die Christen glaubten vor Jahrhunderten Tabak sei vom Teufel), Beschneidungsfatwas, Frauenfußball-Verbotsfatwas, ja in letzter Zeit sogar Terrorverbots-Fatwas. Fatwas gegen alles und nichts. Den Menschen, die von einer Fatwa betroffen sind, macht sie das Leben in den seltensten Fällen angenehmer. Für Anna Erelle wäre es nicht gesundheitsfördernd ihre wahre Identität preiszugeben.

Per Facebook zum terroristischen Sinnversprechen

Als angeblich junge Konvertitin Melodie nahm Anna Erelle auf Facebook Kontakt mit einem Kommandanten des IS auf. Der Mann heißt Abu Bilel. Seine Aufgabe: europäische Jugendliche für den Krieg in Syrien und im Irak anzuwerben. Dort sollen sie eine bessere Welt aufbauen, in der es keinen Platz für Ungläubige gibt. Das Sinnversprechen zieht bei jungen Menschen, dich sich nützlich fühlen wollen, die glauben einen Lebenssinn im IS finden zu können. Ein Kämpfer kann im IS zum Emir ernannt werden, wenn er sich durch seine Entschlossenheit, seine Kraft oder seinen Glauben auszeichnet. Einem Emir bringt jeder in der hierarchisierten Terrororganisation höchste Ehrerbietung entgegen. Das ist ein riesiger Gegensatz zu dem Leben, das viele europäische Jugendliche führen: Manche sind straffällig geworden, andere von Drogen abhängig, wieder andere fühlen sich als Außenseiter. Für Jugendliche in solchen Lebenslagen können die Versprechungen islamistischer Organisationen eine Hoffnung sein. Irgendetwas hat diese jungen Menschen so sehr verletzt, dass sie alles aufzugeben bereit sind und den Tod in Kauf nehmen.

Anna Erelle beschreibt in Undercover-Dschihadistin die Doppelbödigkeit des Lebens, in die Jugendliche geraten, wenn sie im Netz den Sirenengesängen der Dschihad-Videos folgen. Auf der einen Seite verhalten sie sich wie immer, auf der anderen Seite leben sie in einer virtuellen Welt islamistischer Propaganda, in der alles glänzend erscheint. Ein persönliches Scheitern, ein Unbehagen an unser Kultur – solche und ähnliche Hintergründe können zu einer Radikalisierung in Schritten führen. Denn die Dschihad-Werber sprechen nicht den Verstand, sondern die Herzen formbarer Jugendlicher an. Und wessen Herz erobert ist, hat später im Einsatz kein Problem für die gerechte Sache zu foltern, zu stehlen, zu vergewaltigen oder zu töten. Allah segnet es ab. Ja, Allah ist stolz auf seine Kämpfer, auf seine Helden.

Undercover-Dschihadistin lässt sich im Netz rekrutieren

Über Wochen korrespondierte Melodie mit Abu Bilel und erfuhr dadurch viel über die Strategien des IS, Rekruten anzuwerben, und das Leben der Angeworbenen in der Kampfzone Syrien / Irak. Abu Bilel umgarnte die angebliche Konvertitin Melodie regelrecht mit Komplimenten bis hin zum Heiratsantrag. Dabei war er nicht bedrängend, sondern einfühlsam, schob das Thema Krieg und Tod an den Rand des mit schönen Dingen ausgefüllten dschihadistischen Lebens. Er machte alles, um Melodie das Leben im IS schmackhaft zu machen. Für Anna Erelle bzw. Melodie wuchs sich der Kontakt immer mehr zu einem Spiel mit dem Feuer aus.

Das Buch von Anna Erelle erschien am Tag des Anschlags auf Charlie Hebdo in Frankreich. In der Zwischenzeit soll es dort mehr als 50.000 Mal verkauft worden sein. Wer sich ein Bild über Details des dschihadistischen Alltags machen will, kann in Undercover-Dschihadistin fündig werden. Politische Analysen dagegen überlässt die Autorin jedem Einzelnen.

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John Grisham, Anklage

Das neue Buch von John Grisham heißt auf Deutsch Anklage. Es reiht sich ein in die vielen spannenden Gerichts- und Sozialdramen, die der amerikanische Krimi-Autor in die Bestsellerlisten schrieb. Als Jurist und ehemaliger Anwalt lernte Grisham hinter die Kulissen des amerikanischen Rechts- und Sozialsystems zu schauen. Bücher wie Die Jury, Die Bruderschaft, Die Liste verkauften sich millionenfach und viele seiner Werke wurden verfilmt. Die einfache und klare Sprache von John Grisham weckt die unterschiedlichsten Gefühle beim Lesen und zieht wie ein Sog in die Handlung. So wundert es Sie sicher nicht, dass ich eine Phase hatte, in der ich einen Grisham nach dem anderen verschlang. Die Verbindung von unterhaltender Spannung und sozialen Themen ist unschlagbar.

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Anklage – Der Inhalt

In dem neuen Roman Anklage steht die erfolgreiche New Yorker Anwältin Samantha Kofer im Mittelpunkt. Die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 greift heftig in ihr Leben, denn nach dem Untergang der US-Investmentbank Lehman Brothers wird sie von ihrer Kanzlei freigestellt. Mit der Aussicht, nach einem Jahr wieder eintreten zu dürfen, wenn sie während des Jahres einer Non-Profit-Organisation ohne Gehalt ihre Arbeitskraft zur Verfügung stellt. Besser als nichts, denkt sich Samantha Kofer und landet in einem kleinen Bergarbeiterort in Virginia, wo sie in einer Beratungsstelle kostenlosen Rechtsbeistand bieten soll. Was sich zunächst als Abstieg aus den Höhen der New Yorker Justiz in die Niederungen provinzieller Rechtsprobleme anfühlt, wird für Samantha Kofer schnell zu einer packenden Aufgabe. Sie sieht, dass unmenschliche Kohlemagnaten hier über Jahrzehnte Menschen ausbeuteten, die durch die Zustände in den Gruben krank wurden. Als sie sich mit dem Fall eines Arbeiters beschäftigt, der wegen einer Staublunge nur noch wenige Monate zu leben hat, weil ihn der Kohleabbau in den Appalachen kaputt machte, fasst sie den Beschluss, den ehemaligen Arbeitgeber anzuklagen. Denn das Schicksal des todkranken Arbeiters ist dem Kohlekonzern gleichgültig. Gemeinsam mit einem befreundeten Anwalt geht sie gegen den Konzern vor, der die Not und Armut der Menschen in der strukturschwachen Gegend über Jahrzehnte nutzte. Schon bald ist Samantha Kofers Leben bedroht.

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Anklage gegen die Kohleindustrie

Schon immer kämpfte John Grisham gegen die Machenschaften von Konzernen oder Multis. Diesmal greift er die amerikanischen Kohlekonzerne an, ihre Verflechtungen mit dem Kapital, die Zerstörung von Menschen und Umwelt. Ihr aggressives Vorgehen beim Abbau von Kohle macht das Leben der so genannten „kleinen Leute“ kaputt. So bebt die Erde in der Kleinstadt Brady, wenn die Kohleflöze gesprengt werden, das Grundwasser wird verseucht und die Arbeiter müssen mit Atemwegserkrankungen ihren Arbeitsplatz in den Kohlegruben bezahlen. Es ist der ewige Kampf Davids gegen Goliath, den John Grisham auch mit Anklage wie in vielen Werken zuvor aufgreift. Leitfrage: Kann sich Goliath mit seinen schmutzigen Tricks gegen den ehrlich kämpfenden David durchsetzen?

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Anklage hat kein Happy End

Anklage lässt den Leser nachdenklich zurück. Der ein oder andere mag sich an das Indianerwort erinnern: „Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“ Jedenfalls geht es Samantha Kofer schon beim Ankommen in Virginia ähnlich. „Die Berge waren vollständig abgeholzt worden, bis nur noch kahler Fels und Erde übrig waren. Mit den fehlenden Kuppen sahen sie aus wie Fingerstümpfe einer verstümmelten Hand. Um sie herum standen ihre unversehrten Nachbarn, bedeckt mit Laubwald in leuchtend orange-gelber Herbstfärbung, makellos schön, wenn nicht diese Schandflecke gewesen wären.“ Wie der Natur geht es auch den Menschen in Brady: Sie schuften für Hungerlöhne, sind arbeitslos, gewalttätig, Meth-abhängig und leben am Existenzminimum. Dazu kommen skrupellose Lobbyisten. Sie schrecken bei der Durchsetzung der Arbeitgeber-Interessen nicht davor zurück, Ärzte, Richter, Geschworener und Mitarbeitern des FBI zu bestechen. Ein wichtiges Buch, denn Amerika gehört zu den größten Umweltsündern der Welt. Vielleicht bewirkt John Grishams Anklage ein rascheres Umdenken.

Hier finden Sie weitere Informationen zu dem Buch Anklage von John Grisham!

 

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Engelskalt – ein Thriller von Samuel Bjørk

Engelskalt. Der Titel sprach mich an, machte mich an. Ein seltsamer Titel, dachte ich. Kalt wie ein Engel. Sind Engel kalt? Sagen die Religionen etwas über die Temperatur von Engeln? Nicht, dass ich wüsste. Im Mittelalter spekulierten christliche Theologen darüber, wie viele Engel auf einer Nadelspitze Platz finden, aber welche Temperatur Engel besitzen – ich wüsste nicht, dass es darüber Spekulationen gab.

Persönlich bin ich noch nie einem Engel begegnet. Jedenfalls nicht einem Geistwesen, wie es Christentum, Judentum, Islam, aber auch die Religionen Persiens, Mesopotamiens oder Ägyptens beschreiben. Geflügelte Mischwesen mit Strahlenglanz. Deshalb kann ich auch nicht sagen, ob Engel männlich oder weiblich sind. Vielleicht sind sie ja geschlechtslos. Egal. Gefragt, wie ich mir einen Engel vorstelle, ist das Wort für mich Symbol für etwas Warmes, Liebevolles, Beschützendes. Einen lieben Menschen könnte ich als Engel bezeichnen.

engelskaltDeshalb interessierte mich der Titel Engelskalt. Er lässt Übles ahnen. Geht es vielleicht um einen gefallenen Engel, fragte ich mich. Es soll ja Engel geben, die sich nicht der göttlichen Herrschaft unterordnen wollten und so zu Höllengeistern mutierten. Auch das Buchcover von Engelskalt lässt an Böses denken: Eine Kirche in den Bergen, ein Stück Stoff oder Papier, in den jemand mit einer Nadel den Buchtitel gestickt hat. Die Nadel mit einem Fadenrest steckt oben rechts, wo der Autorenname endet. Der Gedanke an die Nadelspitze lässt das Blut aus den Adern weichen.

Samuel Bjørk ist eigentlich Frode Sander Øien, ein Sänger und Songwriter aus Oslo, der sich zum ersten Mal an einen Thriller gewagt hat. Weil Engelskalt in Skandinavien enthusiastisch gefeiert wurde, verkaufte der Verlag die Rechte an dem Buch in 20 Länder, auch nach Deutschland. Der Thriller lässt die Spannung nicht abreißen und bringt eine überraschende Wendung nach der anderen. Und das, obwohl keine einzige Gewalttat detailliert dargestellt wird. Das ist auch gut so, denn in Engelskalt geht es um eine Mordserie an Kindern, die kurz vor ihrer Einschulung entführt und getötet werden, also um ein sehr sensibles Thema. Umso genauer arbeitet der Autor an den Psychogrammen – nicht nur des Mörders, sondern auch der Ermittler. Die Figuren sind vielschichtig und zeigen, wie es im Leben zu psychischen Verwerfungen kommen kann, die furchtbare Folgen haben. So verlässt das Buch an manchen Stellen die Thriller-Ebene und liest sich fast wie ein literarischer Roman. Selten las ich einen Thriller, der mit so wenig Blutvergießen oder brutalen Szenen auskommt, um mich dennoch zu fesseln. Und zu bedrücken!

Hier finden Sie mehr Informationen zu Engelskalt!

 

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Die Drachenelfen-Saga von Bernhard Hennen

Bernhard Hennen - Drachenelfen-SagaSind Sie schon einmal einer Drachenelfe begegnet? Noch nicht? Dann wird es Zeit, dass Sie Bernhard Hennen und seine Drachenelfen-Saga kennenlernen. Vier Bücher der Saga liegen vor. In dem Band Drachenelfen führt der Fantasy-Autor die Welt von Albenmark mit ihren Elfen, Drachen und Zwergen ein, indem er in die Vergangenheit dieser Welt zurückblickt.

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