Walter Moers – Der Allrounder im Literaturbetrieb

Walter Moers – Der Allrounder im Literaturbetrieb

Walter Moers – Der Allrounder im Literaturbetrieb
Walter Moers – Der Allrounder im Literaturbetrieb

Walter Moers – Der Autodidakt

Walter Moers wurde 1957 in Mönchengladbach geboren. Nach der Schule verdingte er sich in diversen Gelegenheitsjobs. Im Anschluss begann er eine kaufmännische Lehre, die er jedoch nie abschloss. Stattdessen brachte er sich in dieser Zeit das Zeichnen selbst bei. Mit unverkennbar großem Erfolg, da er auch heute als Autor, Illustrator und Comiczeichner tätig ist. Moers lebt in Hamburg und schreibt als freier Journalist unter anderem für das Satiremagazin „Titanic“. Walter Moers gilt als ausgesprochen öffentlichkeitsscheu, gibt nur selten Interviews und lässt sich ungern fotografieren. Unter anderem hängt seine Vorsicht mit massiven Drohungen zusammen, die er nach seiner Publikation von „Adolf, die Nazisau“ erhielt. Inzwischen ist diese Zurückhaltung sein unverkennbares Markenzeichen. Moers ist ein Multitalent, da er schreibt, zeichnet und zudem auch Drehbücher verfasst. Seinen großen Durchbruch erlangte Walter Moers mit der Figur „Kleines Arschloch“ (Anfang der 90er Jahre).

Das Spiel mit dem Grotesken – Moers besonderer Stil

Walter Moers zeichnet eine Originalität in seinen Werken aus, die stark mit der Tradition der literarischen Groteske zusammenhängt: Zeichnungen, Benennungen, Figuren und Motive orientieren sich in ihrer Überzeichnung und Skurrilität scheinbar an berühmte Schriftsteller der Vergangenheit wie Rabelais/Fischart, E.T.A Hoffmann und vielen anderen. Doch Parallelen bestehen auch zur europäischen Schauerliteratur und Komiktradition. Selbst Ähnlichkeiten zu mittelalterlichen Volksbüchern, Fabeln und Epen lassen sich in Moers Werken finden. So zum Beispiel die vielen Wortspiele, Andeutungen, Text-Bild-Spiele und Anagramme in den Zamonienbüchern. Für viele Fans ist die Entschlüsselung dieser versteckten Hinweise und Anspielungen zu einem spannenden Zeitvertreib geworden. Es existieren zahlreiche Webseiten, auf denen man sein detektivisches Gespür testen kann.

Comics

Seit 1984 publiziert Walter Moers Comics. Bekanntheit erlangte er zunächst mit außergewöhnlichen Cartoons, die meist von einer Ironie geprägt waren, die bewusst das Ideal der politischen Korrektheit untergruben. Zu den berühmtesten Comicfiguren zählt „Kleines Arschloch“ (1990). Dieser Wicht begegnet den Erwachsenen frech und respektlos und dermaßen überlegen, dass sie keine Chance haben. Moers verfasste auch einen humoristischen Ratgeber mit dem Titel „Schöner Leben mit dem kleinen Arschloch“, welcher der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften gleich zweimal vorgelegt wurde – allerdings erfolglos. Selbst das Drehbuch und die Songtexte zum Film (1997) verfasste Moers selbst.

Ebenso bekannt ist der „Alte Sack“, ein seniler Rentner im Rollstuhl, der sein Umfeld sarkastisch kommentiert. Mit „Adolf, die Nazi-Sau“ karikiert Moers Adolf Hitler als lächerliche Figur. Außerdem hat Moers mit „Der Fönig“ ein Comic kreiert, das speziell für Erwachsene gedacht ist: Denn Themenfelder wie Krieg, Frieden, Fellatio und Cunnilingus beherrschen das Werk.

Geschichten für Kinder

Schon 1988 veröffentlichte Moers die erste Geschichte von Käp’n Blaubärs Seemannsgarn. Es dauerte nicht lange und auch das Fernsehen hatte den flunkernden Seebären für sich entdeckt. Ab 1991 hatten sich die Abenteuer des Käpt’n Blaubär fest im Programm der „Sendung mit der Maus“ etabliert. Nur zwei Jahre später bekam der Seebär seine eigene Show mit dem „Käpt’n Blaubär Club“. Auch als Hörspiel wurde der charismatische Seebär vertont und ein Musical kam auf die Bühne. Das Drehbuch zu „Käpt’n Blaubär – Der Film“ (1999) schrieb Moers selbst. Etwa zur selben Zeit veröffentlichte Moers auch seine Geschichten um Professor Schimauski in der Kinderzeitschrift „Bunter Hund“. Die Figur des Schimauski zeichnet sich vor allem durch eine Allwissenheit aus, die allen Fragen auf den Grund geht.

Eine Auswahl: Die Zamonien-Romane – Moers eigene Welt

1999 veröffentlichte Moers seinen ersten Zamonien-Roman „Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär“. Allerdings ging es ihm nicht mehr um den Käpt’n Blaubär für Kinder, sondern um eine Abenteuerversion, die speziell für Erwachsene gedacht ist. Das Besondere an der Lebensgeschichte von Käpt’n Blaubär sind aber nicht nur die Geschichten an sich, sondern die fiktive Welt, in der sie spielt. Zamonien schillert vor Fantastik, Fabelwesen und genialen Wissenschaftlern. Moers schuf mit dem Roman eine komplexe Welt, die von Ironie und satirischen Andeutungen gespickt ist. Im November  2013 erschien eine opulente Neuauflage des Romans komplett in Farbe (Knaus), die für alle Zamonien-Fans oder die, die es noch werden möchten, ein absolutes Muss ist.

Der zweite Zamonien-Roman „Ensel und Krete“ verzerrt die Vorlage – das Grimm’sche Märchen „Hänsel und Gretel“ so sehr, dass davon fast nichts mehr wiederzuerkennen ist. Auch von der Figur des Käpt’n Blaubär bleibt keine Spur mehr. Stattdessen kommt eine Erzählinstanz namens Hildegunst von Mythenmetz ins Spiel, deren Erzählung Walter Moers aus dem Zamonischen ins Deutsche vornimmt.

Der dritte Band trägt den Titel „Rumo & Die Wunder im Dunkeln“ und soll eigentlich eine Liebesgeschichte sein. Allzu harmonisch geht es in diesem Band aber nicht zu, eher sehr brutal und schaurig. So spielen beispielsweise Zyklopen eine Rolle, die sich von Lebewesen jeglicher Art ernähren und die lebendig verspeisen. Auch blutige Fechtduelle, Schlachten und Foltermaschinen kommen zuhauf vor.

2004 erschien schließlich das vierte Buch zur Zamonien-Reihe „Die Stadt der Träumenden Bücher“, wieder von Hildegunst von Mythenmetz verfasst. Am Ende des Romans wendet sich Moers an den Leser und bittet ihn um Mithilfe, welchen Roman er als nächstes aus dem Zamonischen übersetzen soll. In dem fünften Zamonien-Roman „Der Schrecksenmeister“ (2007) meldete sich Hildegunst von Mythenmetz zurück.  2011 veröffentlichte Moers den sechsten Zamonien-Band „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“.

Auszeichnungen und Preise

In seiner Karriere erhielt Walter Moers viele Preise. Allein für die Geschichten um Käpt’n Blaubär durfte er unter anderem den renommierten „Adolf-Grimme-Preis“ entgegen nehmen. Für „Kleines Arschloch“ erhielt Moers 1990 die Auszeichnung zum „Besten Comic-Künstler“ des Jahres. Weitere Preise wie der „Bayerische Fernsehpreis“ für „Die drei Bärchen und der blöde Wolf“ (2009) folgten.

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