finnische literatur

8 Dinge, die Sie über finnische Literatur wissen sollten

2014 ist Finnland Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse. sollten Sie auf die Buchmesse Frankfurt kommen, schauen Sie sich auf jeden Fall den Gastlandpavillon von Finnland an. Denn zum ersten Mal wird ein Länderpavillon von Designstudenten betreut. Die Entwürfe dazu sind finnisch cool und ein ästhetischer Genuss. Gehen Sie nicht völlig unvorbereitet hin. Ein wenig Hintergrundwissen zur Buchszene in Finnland kann nicht schaden. Im Gegenteil helfen Ihnen ein paar Daten die Informationen, denen Sie im Ausstellungspavillon der Buchmesse begegnen werden,  besser einzuordnen.

Fakt 1: Buchhandelsumsatz

Während 2013 die deutschen Buchhandlungen und Verlage etwa 9,536 Milliarden Euro Umsatz machten, belief sich der Buchhandelsumsatz in Finnland auf 253 Millionen Euro. Umgerechnet auf die Bevölkerung gab jeder Deutsche damit 119 Euro für Bücher aus, jeder Finne „nur“ 46 Euro. In Deutschland blieb der Buchhandelsumsatz praktisch stabil, in Finnland machte der Buchhandel ein Minus von 3,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Fakt 2: Jährliche Neuerscheinungen

Eine finnische Buchneuerscheinung kommt auf 1.375 Einwohner des Landes. In Deutschland kommen auf eine Neuerscheinung etwa 890 Einwohner. Obwohl es in Finnland umgerechnet auf die Bevölkerung weniger Buchneuerscheinungen gibt als in Deutschland, gehört das Land dennoch zur Spitzengruppe der Länder mit der höchsten Buchproduktion, wenn man die Anzahl der Bücher pro Einwohner rechnet. Etwa 4000 neue Bücher erscheinen für die etwa 5,5 Millionen Finnen, die nicht nur Finnisch, sondern zum Teil auch Schwedisch und Samisch sprechen.

Fakt 3: Durchschnittlicher Buchpreis

1971 schaffte das Land die Buchpreisbindung ab, weshalb die Preise für ein Buch stark voneinander abweichen können, je nachdem, wo es verkauft wird. Während in Deutschland der durchschnittliche Buchpreis knapp unter zehn Euro liegt, kann das für Finnland nicht klar festgestellt werden, denn während sich der Durchschnittspreis bei Taschenbüchern zwischen sechs und zehn Euro bewegt, kann er bei Hardcovern bis 40 Euro gehen. Genaue Statistiken wie in Deutschland gibt es nicht. Und die Mehrwertsteuer auf Bücher beträgt zehn Prozent, während es in Deutschland nur sieben Prozent sind.

Fakt 4: Rechte und Lizenzen

Genau wie in Deutschland werden in Finnland Urheberrechtsverletzungen verfolgt. 17 Prozent der finnischen Bücher sind Übersetzungen aus fremden Sprachen. Unangefochten stehen englische Titel an erster Stelle, dann folgen schwedische, französische und deutsche (2012 fast 50 Titel). Umgekehrt verlegten deutsche Verlage 36 finnische Titel. Es gibt also in Deutschland ein stärkeres Interesse an finnischer Literatur als in Finnland Interesse an deutscher.

Fakt 5: Verlage

3.500 Verlage gibt es in Finnland. Und diese vielen Verlage bringen nur 4.000 Neuerscheinungen pro Jahr auf den Markt? Ja, aber man muss differenzieren. Im Grunde hat Finnland nur etwa 10 „richtige“ Verlage, wie wir in Deutschland sie kennen. Die stehen für etwa 90 Prozent der Buchhandelsumsätze. 10 Prozent der Buchhandelsumsätze gehen auf das Konto der weiteren 3.490 Klein- und Kleinstverlage sowie wissenschaftlichen Institutionen. Manche der großen Verlage sind darüber hinaus finnisch-schwedisch, weil der finnische Buchmarkt allein zu klein ist.

Finnische Literatur Symbolbild

Fakt 5: Buchhandlungen

Durch die Abschaffung der Buchpreisbindung verschwanden etwa 300 finnische Buchhandlungen von der Landkarte. Heute sind es noch 450, die zum Teil den Verlagen gehören und durch den Online-Buchhandel ebenso bedrängt sind wie die stationären Buchhandlungen hierzulande. Erschwerend für ihre wirtschaftliche Situation ist die Tatsache, dass sie einmal eingekaufte Bücher nicht wie deutsche Buchhändler remittieren, also zurückgeben können, wenn über längere Zeit nicht gekauft werden.

Fakt 6: Vertriebswege

Während in Deutschland noch knapp 50 Prozent der Bücher über den stationären Buchhandel verkauft werden, sind das in Finnland nur noch knapp über 30 Prozent. Dort wird ein höherer Anteil an Büchern über Kioske, Supermärkte und Kaufhäuser vertrieben. Auch Buchclubs sind in Finnland viel wichtiger im Buchvertrieb als in Deutschland.

Fakt 7: Autoren

Bis vor kurzem gab es auf dem finnischen Markt keine Literaturagenten, wie wir sie in Deutschland kennen. Finnische Autoren schlossen ihre Verträge direkt mit den Verlagen ab, mussten aber, um von ihrer Arbeit leben zu können, oftmals Stipendien oder andere Förderungen in Anspruch nehmen. Das verändert sich gerade ein wenig durch die Arbeit von Literaturagenten, die sich für verkaufsfähigere finnische Literatur einsetzen. Bisherige finnische Literatur trat oft sehr avantgardistisch,  experimentell, philosophisch oder sozialkritisch auf. Denn egal, wie verkäuflich Autoren schrieben, leben oder gar reich werden konnten sie auf dem kleinen finnischen Buchmarkt nicht. Wichtige Autoren aus Finnland sind u. a. Sofi Oksanen, Riikka Pulkkinen, Juha Itkonen, Jari Tervo, Riikka Pelo, Asko Sahlberg, Kjell Westö, Katri Lipson, Salla Simukka, Emmi Itaranta oder Kari Hotakainen. Bekannt sind auch Satiriker wie Tuomas Kyrö und Arto Paasilinna. Entdecken sollten Sie Autoren wie Philip Teir („Winterkieg“) oder Ulla-Lena Lundberg („Eis“), die beide auf Schwedisch schreiben. Oder kennen Sie Markus Nummi, Leena Lander, Hannu Raittila oder Rosa Liksom? Shootingstars wie Johanna Holmström („Asphaltengel“) nicht zu vergessen.

Fakt 8: Nordic Noir

Finnische Krimiautoren wie Leena Lehtolainen, Ilkka Remes oder Pekka Hiltunen haben dunkle Krimis geschaffen, eine eigene Krimigattung, die sich auch in vielen Verfilmungen niederschlägt. In diesem Genre hat der Schrecken seinen düsteren Platz gefunden, doch zeugen die Werke daneben von der Poesie, dem Humor und der Ironie, die den skandinavischen Thriller in seiner finnischen Version prägen.

Jetzt können Sie gut vorbereitet den Gastpavillon von Finnland auf der Frankfurter Buchmesse 2014 besuchen!