Das Tagebuch der Anne Frank

Das Tagebuch der Anne Frank ist nicht das einzige Zeugnis von jungen Juden, die von den Nazis verfolgt und getötet wurden. Viele Tagebücher sind in den letzten Jahren erschienen, konnten aber doch nie Das Tagebuch der Anne Frank verdrängen. Ich erinnere mich noch als Pubertierender in Sommerferien dieses Abenteuer gelesen zu haben. Nie vergesse ich dieses Leseerlebnis. Verraten wurde Anne Frank, ihre Familie. Nach Auschwitz deportiert. Und ich hatte bis zum Schluss Hoffnung wider alle Hoffnung, dass dieses lebendige Mädchen gerettet würde. Dienstag, am 6. Juni 1944 begann die Invasion der Alliierten in der Normandie. Die ersehnte Befreiung für Anne Frank. Mit Anne Franks Hoffnung lebte auch meine Hoffnung auf Rettung auf.

Stimme von Millionen Juden

Damals lebte Anne Frank schon zwei Jahre unentdeckt in einem Amsterdamer Hinterhaus, dem Sitz einer Handelsfirma. Unter anderem von Miep Gies, der Sekretärin, versorgt. Doch kurz vor dem rettenden Sieg der Alliierten in Holland dringt die Gestapo ins Haus, von einem anonymen Anrufer benachrichtigt. Anne Frank stirbt in Bergen-Belsen. Eine Mitgefangene schrieb über die letzte Begegnung: „Es war ein Mädchen von noch keinen 16 Jahren. Es hat ausgesehen wie eine Frau von 40, 50 Jahren.“ Nur ihr Vater Otto Frank überlebte den Holocaust und veröffentlichte nach dem Krieg das Tagebuch seiner Tochter.

Unglaublich, wie reflektiert die junge Anne Frank ihr Tagebuch schrieb. Etwa: „Die unbesorgte, unbekümmerte Schulzeit kommt nicht wieder. Ich sehne mich auch nicht mehr danach zurück. Ich bin darüber hinausgewachsen. Nur so harmlos vergnügt sein, das kann ich nicht mehr. Ein Teil von mir bewahrt doch immer seinen Ernst. Ich sehe mein Dasein bis zum Beginn dieses Jahres wie unter einer scharfen Lupe. Zuhause das Leben mit viel Sonnenschein, dann 1942 hierher, der plötzliche Übergang. Ich konnte das nicht alles verarbeiten.“

Anne FrankWas an Anne Frank fasziniert

Auf wenigen Quadratmetern stillt sie ihren Wissensdurst, ihre Liebe zum Schreiben, die Freiheit nur wenige Meter entfernt. Streit, Unverständnis von Seiten der Eltern, Auseinandersetzungen mit anderen Mitbewohnern, erste Liebe, Träume … Die Tiefe ihrer Gefühle und dabei zugleich die Fähigkeit, sich schonungslos über ihre Empfindungen Rechenschaft abzulegen, berührt über die Zeiten hinweg. Ich denke, das ist der Grund, warum das Tagebuch der frühreifen, hoch begabten und eigenwilligen Anne Frank auch heute noch gelesen wird und Jugendliche Jahrzehnte nach ihrer Verhaftung und Ermordung bis ins Innerste nachempfinden können, was es damals bedeutete Jude zu sein, den täglichen Horror des Antisemitismus zu erleben. Kein Wunder, dass Rechtsextreme in aller Welt das Tagebuch der Anne Frank ein Dorn im Auge ist und es immer wieder bei Sonnwendfeiern verbrannt wird. Denn es spricht für sechs Millionen Menschen in der Stimme eines kleinen gewöhnlichen Mädchens.

Buchnews findet: Das Tagebuch der Anne Frank ist in jeder Generation neu zu entdecken!