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Limbi von Werner Tiki Küstenmacher

Limbi, so heißt die neue Erfindung des evangelischen Theologen, Autors und Karikaturisten Werner Tiki Küstenmacher. Limbi ist die Verkörperung unseres limbischen Systems. Ein lustiges Tierchen mit vier Füßchen, Wolle wie ein Schaf und einem treuen Gesicht wie ein Hund. Und Limbi ist empfindsam, denn das bisher unbekannte Wesen in uns verkörpert die Gefühle und Instinkte. Bevor wir überhaupt zu denken beginnen, hat Limbi für uns schon alles gecheckt und bewertet. Er meint es gut mit uns, doch wir haben verlernt auf unseren Freund zu hören. Ob er uns Freude oder Angst vermitteln will.

Wenn wir Limbi wieder vertrauen lernen, verspricht Werner Tiki Küstenmacher, können wir den Weg zum Glück finden. Seit seinem Millionen-Bestseller „Simplify your life“ ist der Gottesmann nicht müde geworden, seinen Schäfchen Vorträge zu halten, Radiosendungen zu produzieren, im Fernsehen zu sprechen und Comics zu zeichnen. Hauptthema: Wie man das Leben vereinfachen kann. Seit vielen Jahren suchte er dabei nach eigener Aussage „eine Art Masterplan zur Vereinfachung des Lebens“, „einen Schlüssel zum Glücklichsein“. Früher predigten Pfarrer jedweder Konfession und Sekte, Jesus sei der Weg zum Glück, was immer das auch bedeutet haben mag. Heute schreibt Werner Tiki Küstenmacher: „Nach vielen Jahren glaube ich, endlich der Lösung nahe zu sein. Das verdanke ich den immer populärer werdenden Entdeckungen der Neurowissenschaften, der sogenannten Gehirnforschung. Es kristallisiert sich immer deutlicher heraus, dass der Schlüssel zu einem einfacheren, glücklicheren Leben in unserem Kopf verborgen ist, mitten im Gehirn.“ Atheisten und Agnostiker jubeln über die umfangreiche psychologische Fachliteratur, die er unterhaltsam, einprägsam und menschlich einfühlsam präsentiert. Keiner braucht mehr Kirchen zu besuchen, um den Weg zum Glück zu finden, seit der US-Präsident George W Bush im Juli 1990 die „Dekade des Gehirns“ ausrief. Auch der evangelische Theologe scheint auf die Gehirnforschung bei der Lösung menschlicher Probleme zu setzen. Bleibt zu hoffen, dass sich die Hirnforschung nicht in ähnlichen Irrwegen verliert, wie der amerikanische Präsident, der den Krieg gegen den Terror ausrief und fast an einer Salzbrezel erstickt wäre.

limbiDerzeitiger Popstar unter den Hirnforschern sei, so Küstenmacher, das limbische System, das er Limbi taufte und auf ein Blatt Papier kritzelte. So wollte er zuerst seiner Frau und jetzt uns Lesern nahebringen, dass im limbischen System Emotionen leben, dass es das „emotionale Hirn“ der Säugetiere und des Menschen ist. Und dieses Limbi in unserem Kopf sicherte durch seine rasanten Reaktionszeiten unser Überleben, obwohl es nicht so differenziert urteilen kann wie unsere Großhirnrinde. Und Limbi kann noch mehr: Limbi kann ausdrücken, was ihm gefällt und was nicht. Es äußert sich als ein Urgefühl von Behagen oder Unbehagen, Limbi kommuniziert mit uns über unseren Körper, verursacht Schmerz, Müdigkeit, Unlust oder Schlimmeres. Emotionen sind das, was Limbi erlebt. Gefühle sind die von der Großhirnrinde beurteilten Emotionen. Der Bote zwischen den beiden ist der Körper. Aber Limbi denkt nicht rational. Seine Emotionen kommen aus dem riesigen Speicher des Unbewussten. Das kann die Erinnerung an eine konkrete Begebenheit aus der eigenen Vergangenheit sein oder irgendetwas aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschheit. Noch deutlicher spürt man Limbi, wenn die Großhirnrinde etwas will wie die Steuererklärung ausfüllen, das langweilige Protokoll schreiben, einen unangenehmen Menschen anrufen oder das Badezimmer putzen. Meist ist Limbi dem gegenüber bockig. In diesem Fall Limbi zu würgen und zu zwingen, ist kontraproduktiv.

Das Evangelium nach Küstenmacher lautet: Der Weg zum Glück führt durchs Gehirn. Für dieses neue Evangelium reist der evangelische Missionar selbst zum Frauentag des Verbandes landwirtschaftlicher Fachschulabsolventen in die Karl-Knaup-Halle Iphofen. Dort und in seinem Limbi-Buch fordert er auf, uns Limbi zum Freund zu machen und zeigt, wie das konkret geht. Ein limbi-freundliches Leben bringt uns zu uns selbst, denn: Wenn Limbi glücklich ist, freut sich auch der Mensch. Für eine solche frohe Botschaft hätte Werner Tiki Küstenmacher natürlich eher Gehirnforschung als Theologie in München, Tübingen und Neuendettelsau studieren sollen. Aber über die evangelische Theologie hat sich der kreative Tausendsassa schon seit Jahrzehnten hinweg entwickelt. Er schrieb und produzierte Kalender, Bildbände und Ratgeber, ja selbst eine MS-Dos-Fibel. Seine Produkte haben meist nur noch am Rand mit dem christlichen Glauben zu tun. Der Mann hatte schon früh den Riecher für das, was gerade „in“ ist oder die Menschen beschäftigt. „Simplify your life“ wurde das Leitmotiv einer übersättigten und von Werbung überschütteten Generation. Ob „Limbi“ den gleichen Erfolg haben wird? Ich bin skeptisch seiner These gegenüber, dass der Weg zu einem glücklichen Leben im vernünftigen Umgang mit dem limbischen System liegt. Aber hier können Sie sich selbst ein Urteil zu Limbi und den Erkenntnissen eines Pfarrers bilden, der sich mit der modernen Gehirnforschung beschäftigte!