schräges licht

Schräges Licht von Klaus Harpprecht

Schräges Licht ist eine Autobiographie. Der bekannte deutsche Journalist und Autor Klaus Harpprecht, 1927 in einer Pfarrersfamilie geboren, erzählt in Schräges Licht als deutscher Zeitzeuge. Erinnerungen ans Überleben und Leben, so der Untertitel. Die ersten Jahre seines Lebens verbrachte Harpprecht in Schwaben. Im Gegensatz zu seinen beiden Brüdern überlebte er den Zweiten Weltkrieg und schaffte im Chaos der 1940er Jahre 1948 den Sprung in die Redaktion der Wochenzeitung Christ und Welt. Der Beginn einer großen Karriere. 1954 Kommentator beim Berliner RIAS, 1956 beim Kölner WDR, bald Amerikakorrespondent für das ZDF, von 1966 bis 1969 Leiter des S. Fischer Verlags in Frankfurt. Ein Höhepunkt seiner Karriere war die Zeit als Redenschreiber und Berater von Bundeskanzler Willy Brandt. Er äußerte sich regelmäßig zum Zeitgeschehen in der Süddeutschen Zeitung, der FAZ, der ZEIT und anderen wichtigen deutschen Blättern. Im Laufe seines Lebens schrieb er viele erfolgreiche Bücher, die ihm zahlreiche Literaturpreise einbrachten. Besonders lesenswert ist seine zweieinhalbtausend Seiten starke Thomas-Mann-Biographie, die ihn wohl so viel Kraft kostete, dass er nach der Veröffentlichung in eine Depression fiel und viele Jahre nicht mehr schreiben konnte.

Schräges LichtGeist und Politik, Kultur und Macht, Literatur und Journalismus – das waren die Pole, zwischen denen sich das Leben von Klaus Harpprecht bewegte. Als Wegbegleiter von Willy Brandt bekam er Einblicke, die anderen Publizisten verwehrt blieben. Klaus Harpprecht kann streiten, setzt sich vehement für seine politischen und gesellschaftlichen Ansichten ein. So wurden seine Memoiren eine intellektuelle Geschichte der Bundesrepublik, in glanzvoller Sprache. Für seine Autobiographie Schräges Licht konnte er u. a. auf Korrespondenzen mit Theodor W. Adorno, Conrad Ahlers, Rudolf Augstein, Egon Bahr, Winston Churchill, Marta Feuchtwanger, Peter Härtling, Helmut Heißenbüttel, Max Horckheimer, Walter Jens, Edzard Reuter, Walter Scheel, Carlo Schmid, Franz Josef Strauß, Carl Zuckmayer und anderen zurückgreifen. Harpprecht schöpfte aus Manuskripten, Tagebuchaufzeichnungen, Fotos und anderen privaten Unterlagen, um seine Zeit und sein Leben zu verstehen.

Auch in Schräges Licht tritt uns die Gelehrsamkeit Harpprechts entgegen, wie wir sie kennen und mögen. Dabei blickt er nicht melancholisch zurück, sondern studiert sein Leben auf dem Hintergrund der Tagesaktualität. Sein Schreibstil zieht nicht nur Bildungsbürger, sondern auch bildungsferne Menschen an, weil er ein geschultes Gefühl für die historischen und intellektuellen Themen hat, die berühren. Ein Helmut Schmidt als Journalist. Komplizierteste Themen durcharbeitet er so hart, dass er sie am Ende mundgerecht dem Leser darbieten kann, der spürt: Hier schreibt und denkt einer, der das anders macht als die Masse der Publizisten. Harpprecht versteckt sich nicht hinter seinen Ansichten, bleibt angreifbar in seinen Meinungen. So lange er schrieb, zeigte er sich als Liberaler. Auch in Schräges Licht. Die Französische Revolution in ihren positiven Errungenschaften blieb das Licht, das ihm leuchtete. Der abendländische Westen brachte ihm die Befreiung des Menschen zu dem, was er sein kann. Diese Liberalität ist Anliegen und Abenteuer geblieben.

Schräges Licht lässt in die persönliche Freiheit Klaus Harpprechts blicken, in seine ständige Loslösung von einem Arbeitsthema zu einem anderen. Nur die europäische Idee, die Musik und die skeptische Einstellung gegenüber Weltanschauungen hat er nie hinter sich gelassen. Sein Werksgebirge, von dem Schräges Licht nur eine kleine Spitze darstellt, macht Mut, denn es zeigt, was wir Menschen schaffen können, wenn wir wollen: Während seine Jugend von Krieg und Diktatur geprägt war, hat es Europa trotz aller Rückschläge und Schwierigkeiten geschafft, ein gemeinsames Haus zu bauen. Ein Linksliberaler, der Hoffnung schenkt! Wenn sich das nicht zu lesen lohnt …

Hier finden Sie die Memoiren von Klaus Harpprecht!