Stephen King

Stephen King – Fit fürs Horrorkoma?

Stephen KingLässt sich über Stephen King noch etwas schreiben, was noch nicht zig mal über ihn geschrieben wurde? Ich will es versuchen. Zuvor ein paar biographische Grunddaten, um ihn und sein Werk einzuordnen.

Stephen King – biographische Notizen

Geboren wurde Stephen King 1947 in Portland. Zwei Jahre später verließ der Vater seine Familie mit dem Wort: „Ich bin nur mal schnell Zigaretten holen.“ Die Kindheit von Stephen Edwin King, so sein voller Name, war schlimm. Umzüge der Mutter und schlechte finanzielle Verhältnisse prägten sie. Trotzdem schaffte es der begabte Junge, Englisch an der Universität von Maine zu studieren, wo er seine spätere Frau kennenlernte. Nach dem Studium arbeitete er als Englischlehrer. In seiner Freizeit schrieb er Kurzgeschichten, aber auch Romane, die er unter Pseudonymen wie Richard Bachman oder John Swithen veröffentlichte.

Der Roman Carrie, der 1973 erschien, machte Stephen King schlagartig berühmt und finanziell erfolgreich. Eine 16-jährige Schülerin nutzte in diesem Horrorschocker ihre telekinetischen Fähigkeiten, um in ihrer Heimatstadt grauenhafte Blutbäder zu veranstalten. Dieser erste Roman, den Stephen King veröffentlichte, brachte ihm soviel Geld ein, dass er seinen Lehrerberuf aufgab und als Freier Schriftsteller publizierte.

Stephen King und seine Themen

Schon 1973 wurde deutlich, womit sich Stephen King befasste: Mit dem Einbruch des Unheimlichen in ein kleinstädtisches behütetes Milieu Amerikas. Das ist die Spur des Blutes, die sich durch Kings Werke zieht, ob es sich um Horrorliteratur, Science fiction oder Psychothriller handelt. Immer droht die Gefahr jener Mittelschicht, die seine Bücher wie wild verschlingt. Bald in fast allen Ländern der Welt. Besonders viele Fans fand Stephen King in den sanften Hügeln der deutschen Mittelgebirge und den saftgrünen Matten des Alpenvorlandes. In dieser Oktoberfest- und Kuckucksuhren-Idylle schlugen Kings Horrorvisionen wie eine Bombe ein. Fast noch stärker als in den von Windhosen und Tornados gepeitschten öden Landstriche des amerikanischen Bibel-Gürtels. Hunderte Millionen Auflage erreichten seine Blicke in die dunklen Tiefen menschlicher Seelen.

Stephen Kings Horrorwelten

„Meine Bücher sind das literarische Äquivalent eines Big Mac mit einer großen Portion Pommes“, äußerte sich Stephen King einst über seine Fließbandproduktion von dämonischen Horrorgeschichten. Mehr als 70 Romane und Geschichtensammlungen gehen auf Kings Konto. Sind sie Kunst oder Schund? Seinem eigenen Verständnis nach eher Schund, Fast Food. Dabei orientierte er sich an Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft und Algernon Blackwood. Von Ihnen nimmt er Stoffe und Motive, die er variantenreich abwandelt. Wer Stephen King liest, wird kaum angenehme Träume haben. Werktitel wie Dead Zone – Das Attentat, Frühling, Sommer, Herbst und Tod, Friedhof der Kuscheltiere, Das Jahr des Werwolfs, Der Gesang der Toten, Das Monstrum, Alpträume, Schlaflos, Friedhof des Grauens, Im Kabinett des Todes, Wolfsmond, Wahn oder Dr. Sleep lassen keinen Zweifel aufkommen: Der Autor spielt mit dem Nervengeäst des Lesers Apokalypse. Ich will nicht entscheiden, welches Medium Stephen Kings Endzeitbilder grauenvoller zwischen die Gehirnsynapsen spritzt – das Medium Buch oder die Filme zu seinen Horrorwelten.

Psychologische Hintergründe von Stephen King

Stephen KingMit den vielen Auszeichnungen seiner Bücher und verschiedenen Awards will ich Sie nicht langweilen. Sie überzeugen jene nicht, die King schematisches Schreiben und kaum literarische Entwicklung vorwerfen. Andererseits bewundern seine Fans ihn und seine geistreichen und packenden Unterhaltungsromane auch ohne diese Preise. Für mich das Erstaunlichste an den vielen King-Büchern ist der Blick hinter die Kulissen. Er offenbart, dass Stephen King viele Jahre gegen Alkoholismus und Drogensucht kämpfte sowie einen Autounfall zu verarbeiten hatte, der ihn fast das Leben kostete. Ob diese oder andere Erfahrungen zu dem Mikrokosmos Kings führten, in dem Macht und Gewalt das Zepter führen? Der Kampf zwischen Gut und Böse geht viel weiter zurück. Denn Stephen King spielt mit der Regression, der Wiederbelebung von Ängsten, die wir als Kinder hatten, andererseits aber auch der infantil-perversen Freude am Quälen. Der Horrorkünstler schickt uns mit einem Tempo durch seine dicken Werke, dass es uns den Atem raubt. Mancher seiner Horrorthriller versetzt uns in Schockstarre von der ersten bis zur letzten Seite.

Moralapostel ist Stephen King nicht. Aber gesellschaftskritische Untertöne sind deutlich. Christliche Fundamentalisten etwa sind ihm ein bigottes Gräuel. Immer wieder entlarvt er ihre Dummheit. Ähnlich kritisch schreibt King über Politiker, die ihre Macht missbrauchen. Vampire, Riesenspinnen, Zombies und andere Schreckenswesen fallen über diese Provinzdiktatoren her. Das Grauen dringt nicht von außen in die heile Welt ein, sondern wohnt in der Psyche der handelnden Personen. Der latente Wahnsinn versteckt sich mitten in der Familie der mittelständischen Durchschnittsmenschen. Wie bei uns allen.

Hier können Sie in die Schauerwelten von Stephen King eintauchen!