susan abulhawa

Susan Abulhawa, Als die Sonne im Meer verschwand

Der Diana Verlag hat schon einige Jahre auf dem Buckel. 1935 gründeten Dr. Siegfried Menzel und seine Frau den Humanitas Verlag in der Schweiz. Dort erschienen Autoren wie Robert Musil, Friedrich Torberg oder Ernst Weiß, also Schriftsteller, die den Nationalsozialisten ein Dorn im Auge waren. 1947 wurde daraus der Züricher Diana Verlag. In den folgenden Jahrzehnten fanden hier bedeutende Autoren wie John Steinbeck, Sommerset Maugham, Pearl S. Buck oder Sinclair Lewis eine deutschsprachige Heimat. Mitte der 1990er Jahre kam der Verlag in die Hände von Rolf Heyne. Programmschwerpunkte waren Sachbuch und Belletristik. 1998 eröffnete der Taschenbuchverlag von Diana und gab renommierte Autoren wie Annie Proulx oder Doris Lessing heraus. Im Dezember 2000 verkaufte Heyne seine Verlage an die Axel Springer AG und Diana wurde Teil von Ullstein Heyne List, aber nur bis 2003. Seit damals gehört Diana zur Verlagsgruppe Random House. Heute versteht sich Diana als Verlag für das weibliche Publikum im Hardcover wie im Taschenbuch und kann viele internationale und nationale Bestseller vorweisen. Vor allem im Bereich psychologische Spannung und moderne Frauenunterhaltung. Autorinnen sind u. a. Nora Roberts, Simone van der Vlugt, Jeannette Walls, Kate Morton, Bertina Henrichs, Brigitte Riebe, Kirsten Schützhofer, Andrea Vanoni oder Hera Lind.

susan abulhawaSusan Abulhawa und Während die Welt schlief

In diesem gehobenen Frauen-Verlag veröffentlichte Susan Abulhawa schon ihren Debütroman Während die Welt schlief, der zum Bestseller und in mehr als 20 Sprachen übersetzt wurde. Darin erzählte Abulhawa von dem Flüchtlingsmädchen Amal. Es wächst zuerst in einem Flüchtlingslager auf, kommt dann nach Amerika und trägt doch immer ihre Heimat im Herzen. Nie vergisst das Mädchen, dass ihr der Vater im Lager aus den Werken großer Dichter vorlas und so Momente der Hoffnung und des Friedens für sie schuf, während um sie herum der scheinbar aussichtslose Konflikt zwischen Palästina und Israel tobte. Es ist eine bittere Geschichte, die von den Palästinensern im 20. Jahrhundert getragen werden musste. Susan Abulhawa verfolgt sie über vier Generationen hinweg und lässt eine zerrissene Familie den Verlust der Heimat durchleben.

Neu: Als die Sonne im Meer verschwand

Während die Welt schlief hatte etwas Autobiografisches, denn Susan Abulhawa wuchs selbst als palästinensisches Flüchtlingskind auf. Zuerst in Kuwait, dann in Jordanien und Jerusalem. Später übersiedelte sie in die USA, wo sie sich für die Menschenrechte und eine Verbesserung der Lebensumstände von palästinensischen Kindern in besetzten Gebieten engagiert. Dem Thema ihres Lebens bleibt Susan Abulhawa auch in ihrem neuen Roman Als die Sonne im Meer verschwand treu. Diesmal geht es um die Palästinenserin Nur. Sie kennt die malerischen Dörfer Palästinas allein aus Erzählungen ihres Großvaters, denn sie wuchs in Amerika auf. Mit Jamal tritt ein Arzt aus Gaza in ihr Leben, der sie nach Palästina einlädt. Nur reist in das Land ihrer Eltern und ist überwältigt von den Eindrücken, von der ineinander verflochtenen Geschichte der Israelis und Palästinenser. Dazu kommt die Liebe zu Jamal, aber auch eine bittere Wahrheit, die sie über ihn erfährt.

Susan Abulhawa erlebte Ähnliches, als sie im Jahr 2000 nach Palästina reiste. Diese Reise machte sie zur politischen Aktivistin, die für die Sache der Palästinenser kämpft. Gewaltlos. Playgrounds for Palestine heißt die NGO, die sie ins Leben rief. Die Organisation sammelt Geld, um in den Palästinensergebieten Spielplätze für Kinder bauen und unterhalten zu können. Außerdem war Abulhawa eine Mitbegründerin der Kampagne Boycott, Divestment and Sanctions. Die Kampagne boykottiert Waren und Lebensmittel, die israelische Firmen im Westjordanland herstellen.

susan abulhawaAls die Sonne im Meer verschwand rüttelt wach

Als die Sonne im Meer verschwand ist wieder eine dramatische Familiengeschichte. Wir lernen über die amerikanische Psychologin Nur eine Mutter mit drei Kindern kennen, deren Heimat vom Krieg überzogen wird, weshalb sie nach Gaza flüchten muss. Wir durchleben alle Gefühle mit der Familie, von Glück bis Schmerz, ohne die Hoffnung zu verlieren, denn auch im Elend kann man ein lebenswertes Leben führen. Die Erfahrungen in Gaza verbinden Nur mit ihren palästinensischen Wurzeln und auch wir Leser tauchen tief in die Geschichte der palästinensischen Familie ein, deren Geschichte eng mit dem politischen Konflikt in der Region verknüpft ist. Statt Menschen, die in Frieden leben, die Olivenfelder bearbeiten, im Meer fischen, wird Nur, werden wir mit der Not der Flüchtlinge konfrontiert und sehen das menschliche Antlitz des ungelösten „Palästinenserproblems“. Die besonders leidgeprüften Menschen dort bewahren ihr Heimatrecht mit Überlebenswillen und Herzenswärme inmitten der grausamen Realitäten.

„Einst lag das grüne und sandige Gaza an der wichtigsten Handelsroute zwischen Nordafrika und Europa. Es war das Zentrum des Gewürzhandels. Die Palästinenser aus Gaza waren angesehene Künstler, die schon vor über 2000 Jahren hochwertigen Schmuck herstellten. Adel und Pilger drängten nach Gaza.“ So erzählte der Großvater Nur von der palästinensischen Heimat. Und Nur ging mit ihrer amerikanischen Gutmenschen-Begeisterung ins Land ihres Großvaters und dachte, sie könnte kaputte Menschen in Ordnung bringen und verwundete Orte wie Gaza heilen. Doch es kommt alles anders. Nur und wir tauchen in eine andere Welt, in der uns das Leben der Menschen in der Krisenregion Gaza mitnimmt und wir am Ende die Frage stellen, wer kaputter ist: Wir oder die Menschen im Elend, deren Liebe zueinander zwischen den Zeilen jeder Buchseite zu spüren ist. Ein Buch, das schockiert, wachrüttelt und Augen öffnet.

Hier finden Sie weitere Informationen zu dem Buch Als die Sonne im Meer verschwand!