wer den wind sät

Martin Lüders, Wer den Wind sät

Was westliche Politik im Orient anrichtet besorgt schon seit Jahren. Die Auswirkungen der westlichen Politik im Orient werden immer bestürzender: Staatszerfall, extremistische Terrorgruppen, unermessliches Leid der Zivilbevölkerung sind die offensichtlichen Folgen einer verfehlten Politik, die Jahrzehnte zurückreicht und nicht unwesentlich von westlichen Geheimdiensten beeinflusst war.

Die Stoßrichtung von Wer den Wind sät

wer den wind sätKlar, nicht nur der Westen – vor allem die USA und Großbritannien – haben im Orient Fehler gemacht und sich als Brandstifter betätigt. Doch Michael Lüders beschränkt sich in seinem Buch auf die westliche Seite, weil sich hier am ehesten Denk- und Handlungsweisen ändern könnten. Vor allem, so Lüders, sollte der Westen seine unsägliche Neigung aufgeben, Konfliktparteien in gut und böse einzuteilen und die böse Seite zu dämonisieren (Mossadegh, Nasser, Saddam Hussein, Ahmadinedschad, Baschar al-Assad …). Als gut und werteorientiert sieht sich der Westen. Er glaubt, Vertreter von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten zu sein. Wie wenn der Westen keine eigenen materialistische, politische Interessen hätte! Weil der Westen die gute Seite ist, hat er natürlich das Recht, die Bösen zu bestrafen, ob durch Wirtschaftssanktionen oder durch kriegerische Eingriffe.

Noch glaubt der Westen an seine wirtschaftliche und militärische Allmacht, doch längst stößt sie an Grenzen und eine multipolare Welt kann nicht mehr vom Westen gesteuert werden. Statt auf Konfrontation zu setzen empfiehlt Lüders die Kooperation und die Einsicht in das Versagen etwa des Krieges gegen den Terror. Dabei zeigt er detailliert, welche politischen Entscheidungen im Westen zu welchen tragischen Folgen in der arabisch-islamischen Welt führen – ohne zu belehren oder zu polemisieren.

Gegen Dummheit und Ignoranz

Unwillkürlich schämt man sich als politisch denkender Mensch des Westens über die hegemoniale Selbstherrlichkeit, Dummheit und Ignoranz, die in Lüders Buch aufscheint. Und man fragt sich, wie über Jahrzehnte ständig die gleichen Grundmuster westlicher Politik wiederholt werden, ohne dass einer unserer Staatlenker zur Einsicht kommt, eine Neuausrichtung der Nahost-Politik zu versuchen. Dem Leser wird klar: Im Umgang mit der hochkomplexen Region vor den Grenzen Europas sollte mehr Demut an den Tag gelegt werden. Ein Anfang wäre schon, dass wir die Dummheit und Ignoranz unserer Politiker im Westen ächten. Wir dürfen die Dilettanten-Fehler unserer Politiker nicht länger zulassen! Lüders bleibt also nicht beim Negativen, sondern zeigt auch Ansätze von Lösungen auf, was etwas Hoffnung macht, aber für uns Bürger auch eine Aufgabe sein muss.

Michael Lüders ist kein Mann, der vom heimischen Schreibtisch aus die Krisen in Nah- und Mittelost beobachtet. Als ehemaligem Nahost-Korrespondent der Wochenzeitung DIE ZEIT kann ihm niemand etwas vormachen, denn er kennt und bereist die Region und gilt als ausgewiesener Experte, spätestens seit seinen Büchern Tage des Zorns und Iran – der falsche Krieg. Sein neues Buch Wer den Wind sät muss als Schwarzbuch der westlichen Politik im Orient gelesen werden.

Wer sich durch die offiziellen Verlautbarungen unserer westlichen Politikerriege zur Lage in Nahost oder Mittelost nicht verdummen lassen will, wem die Lage dort zu unübersichtlich erscheint, aber gerne verstehen will, was dort geschieht, der sollte unbedingt zu diesem Buch greifen! Nach dem Lesen wird er vielleicht zum ersten Mal das Gefühl haben, mitdenken und mitreden zu können.

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