Sterntaler-Verschwörung

Die Sterntaler-Verschwörung von Jan Seghers

Bei dem Namen Seghers denke ich nicht zuerst an Jan Seghers, sondern an Anna Seghers. Jan Seghers ist aber nicht mit Anna Seghers verwandt, sondern das Pseudonym von Matthias Altenburg. Nebenbei bemerkt ist Anna Seghers ebenfalls ein Pseudonym. Matthias Altenburg oder Jan Seghers, über dessen neues Buch ich schreiben möchte, ist Hesse, studierte in Göttingen Literaturwissenschaft und Kunstgeschichte und war bis 1996 Lektor im Frankfurter Verlag der Autoren. Schon zu seinen Zeiten als Lektor machte es ihm Spaß hin und wieder etwas zu veröffentlichen. Damals erschien sein Name unter Literaturkritiken und pointierten Essays. 1992 veröffentlichte er „Kampf den Flaneuren“, in denen er den damals aktuellen deutschen Autoren vorwarf, sie schrieben abseits der Lebenswirklichkeit. Er selbst versuchte es besser zu machen und stellte in seinen Romanen, die nach und nach erschienen, gerne gesellschaftliche Außenseiter in den Mittelpunkt. Realismus führte ihm dabei die Feder. 1993 nahm er am Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt teil, 1995 erhielt er ein Stipendium des Deutschen Literaturfonds. Ein Jahr später machte sich der 1958 in Fulda geborene Altenburg als Journalist und Schriftsteller selbständig.

Sterntaler-Verschwörung2004 nahm Matthias Altenburg den Namen Jan Seghers als Pseudonym für seine Kriminalromane an. Sjöwall-Wahlöö und Henning Mankell wurden seine Vorbilder beim Morden. Es erschienen die Erfolgskrimis Ein allzu schönes Mädchen (2006), Die Braut im Schnee (2007), Partitur des Todes (2008) und Die Akte Rosenherz (2009). In all diesen Krimis zeigte Jan Seghers, dass er sein Material aus dem Leben schöpft. Er lebt und arbeitet in Frankfurt. Seine Fälle spielen in der deutschen Hauptstadt des Verbrechens oder im näheren Umfeld. Jan nannte er sich, weil er, der leidenschaftliche Radfahrer, Jan Ulrich schätzte, und Seghers als Pseudonym-Familienname ist Ausdruck seiner Verehrung der großen Schriftstellerin.

Der Krimischriftsteller Jan Seghers beschert uns Soziogramme unserer Zeit und unseres Landes: soziale Verkommenheit, Spießertum, Politik, Banken, Hässlichkeit, Brutalität, Verzweiflung, Neureichtum, Partyschickeria, moralische Verwahrlosung und Konsumismus. Die Gier nach Geld überstrahlt die monotone merkelsche Gesellschaft, die gutes Essen und Wellness liebt. In dieser Halb- und Unterwelt herrschen streckenweise die Melancholie, die Düsternis, der Irrsinn, aber auch die Suche nach Gerechtigkeit und Trost in der sozialen Wirklichkeit, die uns umgibt. Indem Jan Seghers in seinen Krimis das Zusammenwirken verschiedener Faktoren beschreibt, die zu Gewalt führen, übt er gleichzeitig subtile Gesellschaftskritik.

Der neue Krimi von Jan Seghers heißt „Die Sterntaler-Verschwörung“. Sie spielt wie gewohnt in Frankfurt, aber auch im politischen Wiesbaden, denn es geht um die Intrigen der Macht. Man fühlt sich in das Jahr 2008 und den hessischen Wahlkampf versetzt. Wieder ermittelt Kommissar Marthaler, den Jan-Seghers-Leser schon aus dessen früheren Krimis kennen. Er bekommt es mit Machtstreben, Eitelkeit und wirtschaftlichen Interessen zu tun, als eine Journalistin tot in einem kleinen Hotel am Zoo aufgefunden wird. Bald wird klar, dass die Spur des Verbrechens in die politische Elite des Landes Hessen führt. Die Journalistin musste sterben, weil sie einer Verschwörung auf der Spur war – der „Sterntaler-Verschwörung“. Dabei geht es um den Frankfurter Flughafen, das große Geld, Korruption und Rufschädigung. Klar, dass alles, was Rang und Namen in der Wiesbadener Elite hat, mitmischt. Die Wirklichkeit des Landtagswahlkampfes 2008 in Hessen lieferte die Konflikte, die dem Gesellschaftsroman in Krimiform die Basis gaben. Spannend wird sein, wer sich nach der Lektüre der „Sterntaler-Verschwörung“ auf den Schlips getreten fühlt.