Jochen Schweizer - Der perfekte Augenblick

Der perfekte Augenblick von Jochen Schweizer

Der persönliche Lebensratgeber des bekannten Selfmademans und Unternehmers Jochen Schweizer: Der perfekte Augenblick soll eine Anleitung für mehr Stärke, Erfolg und Glück sein.

Es hätte so schön sein können. Da hat ein Mann seinen Weg gemacht, Grenzerfahrungen erlebt, ein Unternehmen mit Millionenumsätzen gegründet. Jochen Schweizer verkauft Erlebnisse, sein Name – der auch der Name seiner Firma ist – ist durchweg positiv besetzt. Und wenn er in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ über unternehmerische Ideen anderer urteilt, glaubt man ihm seine Fachkompetenz.

Jochen Schweizer - Der perfekte Augenblick
Der perfekte Augenblick

Wenn ein solcher Mann einen Lebensratgeber (mit diesem Begriff wirbt der Verlag) „anhand seiner persönlichen Lebensgeschichte“ schreibt, erwartet man ernsthafte Tipps und Tricks, eventuell locker und leicht lesbar geschrieben, garniert mit ein paar Anekdoten, in Summe aber seriös. Nimmt man allerdings das Buch in die Hand, macht schon der Klappentext stutzig.

„Wer etwas riskiert, kann verlieren, wer aber nichts riskiert, verliert garantiert“

… steht da in großen Lettern zu lesen, und darunter noch „Jochen Schweizer“, um zu verdeutlichen, dass diese Weisheit auch wirklich vom Autor stammt. Tja, wenn man die Weisheit nicht schon aus ganz anderen Quellen kennen würde. Bert Brechts berühmtes Zitat über das Kämpfen, bei dem man auch verlieren kann, wird immer wieder gerne – in leicht abgewandelter Form, wie hier – genutzt. Weiter steht da:

Unternehmer des eigenen Lebens werden – das bedeutet jeden Moment zu nutzen, Chancen zu ergreifen und wieder aufzustehen, wenn man hingefallen ist. Leicht zu verstehen, aber in der Praxis oft schwer umzusetzen.

Richtig. Deshalb hofft man auf hilfreiche Ratgeber, die zeigen, wie’s geht.

Doch Resilienz oder auch innere Widerstandskraft lässt sich erlernen und weiterentwickeln. Wie? Das erklärt der erfolgreiche Unternehmer und ehemalige Extremsportler Jochen Schweizer in diesem Buch.

Dieses Buch scheint demzufolge ein hilfreicher Ratgeber zu sein, wenn tatsächlich etwas erklärt wird.

Anhand seiner sehr persönlichen Lebensgeschichte verrät der Selfmade-Man, wie es auch Ihnen gelingen kann, Ihre persönlichen Stärken optimal zu nutzen, Lebenskrisen zu überstehen und erfolgreich einen neuen Weg zu finden.

Soweit der Klappentext, der den Leser zum Kauf bewegen soll. Die Erkenntnis, dass „Chancen zu ergreifen und wieder aufzustehen“ leicht daher gesagt, „aber in der Praxis oft schwer umzusetzen“ sei, lässt schon mal hoffen, dass hier nicht, wie bei anderen Lebensratgebern, nur ein paar mehr oder weniger „weise“ Phrasen aufgelistet werden, nach denen man leben solle. Man erwartet Praktisches. Beim ersten Durchblättern stößt man dann aber auf eben solche, dick gedruckte Phrasen wie „Beschreibe mir deine Helden, und ich sage dir, wer du bist“ oder „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ oder den Jochen-Schweizer-Firmenslogan „Du bist, was du erlebst“. Bei derartigen Plattheiten kommt man sich schon sehr veralbert vor (das Buch soll ja schließlich ein „Lebensratgeber“ sein!). Danach sinniert der Autor dann beispielsweise darüber nach, dass er einen Bungee-Sprung aus einem Ballon heute nicht mehr mit derselben Intensität erleben würde wie beim ersten Mal, gefolgt von einer Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hat:

„Empfinde ich darüber Bedauern? Ich antworte mit einer Gegenfrage: Ist die Erinnerung etwas, das wir haben, oder etwas, das wir verloren haben?“

Vielleicht soll das philosophisch klingen. Ansichtssache. Solche „Bonmot“-artigen Sätze kennt man jedenfalls zur Genüge, und sie ziehen sich scheinbar durch das ganze Buch. Da ist die Gefahr groß, dass es beim ersten Durchblättern bleibt, denn ob es in diesem Ratgeber wirklich irgendwo einen echten Rat gibt, ist angesichts solcher Formulierungen fraglich. Vielleicht bleibt man ja noch an einer mit senkrechtem Strich als wichtig markierten Stelle hängen, an der dann steht:

„Statt unsere ganze Energie darauf zu verwenden, uns zu verändern, um dem Wunschbild anderer oder einer ganzen Gesellschaft zu entsprechen, müssen wir lernen, einen Schritt zurückzutreten und die wesentlich wichtigere Frage zu stellen: Warum sind wir, wer wir sind?“

Auch das ist nicht neu. Da wird mal wieder der moderne Mythos bemüht, dass wir alle ja nur allen gefallen wollen und uns dadurch in unserer Entfaltung selbst behindern. Der ist seit längerer Zeit schon eine gern genutzte Begründung zur Verschleierung rein egoistisch motivierter Kehrtwendungen im Leben und daneben eine beliebte Ausrede für eigenes Fehlverhalten, für eigene Versäumnisse und damit auch für mangelnden persönlichen Erfolg, was immer man darunter auch verstehen mag. Jochen Schweizer allerdings hat Erfolg, er hat viel erlebt und eine erstaunliche Karriere gemacht. Daher ist es nicht gänzlich unmöglich, dass manch Leser aus Der perfekte Augenblick tatsächlich irgendetwas lernen kann. Aber vielleicht hätte der Verlag das Buch besser als eine Art Autobiografie statt als Ratgeber beworben.