Vollhorst

Bruno Jonas: Vollhorst

Wenn ein Kabarettist ein Buch über den „Erfolgstyp in Politik, Kultur und Gesellschaft“ schreibt, dieses Buch Vollhorst nennt und selbst Bruno Jonas heißt, dann erwartet man eigentlich genau das, was der Verlag verspricht: eine „bös-pointierte Typologie“ von Politikern im Allgemeinen – und von CSU-Politikern im Speziellen. Man erwartet was zum Schmunzeln und Lachen für die Sympathisanten des eher linken politischen Spektrums.Vollhorst

Wenn man dann auf „ZEIT ONLINE“ (beispielsweise, denn die Kritik stammt wohl von der dpa) das Urteil liest, das Buch sei „weder links noch sonderlich komisch“, ist man etwas überrascht. Und wenn man in die Leseprobe hineinliest, glaubt man schon fast, da wäre irgendwas vollkommen schief gegangen.

Da überlegt Bruno Jonas, ob er nicht vielleicht besser über ein anderes Thema geschrieben hätte, zum Beispiel „Darf dem Veganer etwas wurst sein?“, da schreibt er Sätze wie „Ich kann mich ausweisen, aber warum sollte ich das tun, mir gefällt es hier sehr gut“. Haha.

Man könnte eigentlich jeden verstehen, der an diesem Punkt von der weiteren Lektüre des Buches Abstand nimmt. Eigentlich. Denn bei Vollhorst bewahrheitet sich mal wieder die alte Lebensweisheit, dass man nie vorschnell urteilen sollte.

Es gibt nach der holprigen „Einweisung“ ins Buch nämlich doch noch viel zum Schmunzeln und Lachen, wobei die politischen Sympathien des Lesers im Grunde nebensächlich sind und obwohl Bruno Jonas selbst sagt: „Komisch, komisch ist das nicht“.

In über 50 Kapiteln (bei gut 260 Seiten) holt Jonas zum Rundumschlag gegen alles aus, was seiner Meinung nach „horstelt“: Es geht um Politiker von Seehofer über Wulff bis Schulz. Es geht um Föderalismus, die EU und die Medien. Es geht um Political Correctness und Gender Mainstreaming.

Ein „bitteres Buch“ sei Vollhorst, ist auf „ZEIT ONLINE“ zu lesen. „Bös-pointiert“ trifft es dann doch viel besser.