Der überflüssige Mensch

Ilija Trojanow – Der überflüssige Mensch

Unsere Gesellschaft ist konsumorientiert, soziale Ungerechtigkeit wird allgemein akzeptiert: Der überflüssige Mensch von Ilija Trojanow – eine Kampfschrift gegen Ökonomisierung ohne Grenzen.

Der Spätkapitalismus folge einer mörderischen Logik, so Trojanow. Wer nichts konsumiere und/oder nichts produziere, sei in diesem System überflüssig. Zugleich würden internationale Eliten behaupten, das größte Problem unserer Erde sei die Überbevölkerung. Und so stellt Ilija Trojanow die provokante Frage: Wenn die Erdbevölkerung reduziert werden muss, auf wen kann oder sollte man verzichten?Der überflüssige Mensch

Trojanows Der überflüssige Mensch beginnt mit einem Vorfall aus dem Jahr 1816. Die französische Fregatte Meduse lief vor der westafrikanischen Küste auf Grund. Nur sechs Rettungsboote standen zur Verfügung. Der Kapitän ließ ein großes Floß für 150 Menschen bauen, das von einem der Rettungsboote in Schlepp genommen wurde. Es dauerte nicht lange, bis die Privilegierten in den Booten selbstsüchtig entschieden, das Seil zum Floß zu kappen und die 150 Unglücklichen ihrem Schicksal zu überlassen. Auf dem Floß folgte ein grausamer Kampf ums Überleben.

Ein krasses Beispiel. Doch im Kapitalismus gehe es ähnlich zu, meint Trojanow. Vielleicht haben auch Sie schon einmal von Ihrem Arbeitgeber gehört, dass man auf Sie in Zukunft verzichten könne. Sicher aber kennen Sie zumindest aus den Medien Politiker, die angesichts von Flüchtlingsströmen mit dem Satz „das Boot ist voll“ auf Stimmenfang gehen. Da kommt doch die Frage auf: Wer entscheidet so etwas eigentlich – und mit welchem Recht? Wer bestimmt, dass jemand es wert ist, gerettet zu werden? Dass der andere überflüssig ist und man ihn der mörderischen See überlässt? Gerade die Aussage „das Boot ist voll“ ist eine in unserer Zeit sehr beliebte Metapher. Ilija Trojanow wendet sie in Der überflüssige Mensch gegen all jene, die sich in diesem Boot auf die eine oder andere Art einen Platz gesichert haben und von ihrer eigenen Unersetzlichkeit ausgehen.

In seinen eindringlichen Analysen wendet sich Trojanow gegen die Überflüssigkeit des Menschen. Er thematisiert die verheerenden Folgen des Klimawandels, den erbarmungslosen, neoliberalen Umgang mit Arbeitnehmern und „massenmediale Apokalypsen“, die wir als vermeintliche Gewinner der Globalisierung mit voyeuristischer Lust verfolgen, ohne zu ahnen, dass es auch um uns geht, dass es um alles geht.