Nele Neuhaus‘ neuer Taunus-Krimi: Muttertag

Zwei Jahre hat sich Nele Neuhaus für den neuen Bodenstein-Kirchhoff (Entschuldigung: Sander) Krimi wieder Zeit gelassen: 2016 ermittelten die Kriminalhauptkommissarin und ihr Chef noch „Im Wald“, nun scheint ein Serienmörder immer zum Muttertag sein Unwesen zu treiben.

Nele Neuhaus (geb. 1957) ist eine der erfolgreichsten Krimiautorinnen Deutschlands. Der vierte Bodenstein-Kirchhoff-Roman Schneewittchen muss sterben war 2010 ihr Durchbruch im Krimi-Genre. Doch die passionierte Reiterin schreibt auch Jugendbücher – zum Thema Pferde – und unter ihrem Mädchennamen Nele Löwenberg Unterhaltungsliteratur für Erwachsene, wie die Sheridan-Grant-Reihe.

Muttertag ist bereits der 9. Fall für Pia Sander und Oliver von Bodenstein. Und auch er spielt im Taunus, wo die Autorin lebt und arbeitet. Der Polizeipräsident der Region ernannte Nele Neuhaus übrigens zur Kriminalhauptkommissarin ehrenhalber. Mehr Lob geht fast nicht. Nele Neuhaus‘ neuer Taunus-Krimi: Muttertag weiterlesen

Die Lebenden und die Toten von Nele Neuhaus

Nele-Neuhaus_cover_lebende-toteNele Neuhaus gehört zum Syndikat. Dort haben sich mehr als 800 Menschen zusammengeschlossen, die Mord und Totschlag lieben. Nur wer Blut fließen lässt, sich mit Sprengsätzen, Entführungen, Betrug und internationalem Terrorismus auskennt, wird ins Syndikat aufgenommen. Das Syndikat dürfte die renommierteste deutschsprachige Autorengruppe für Kriminalliteratur sein. Der richtige Platz für die Frau aus Münster mit den mordenden Händen. Wie man sich täuschen kann: Auf Bildern sieht sie so sympathisch aus. Kein Gedanke daran, dass sie ihre Ermittler Bodenstein und Kirchhoff grausamen Tätern hinterherschickt, in die sie sich subtil hineindenkt. In dem Buch „Die Lebenden und die Toten“ muss die Kriminalhauptkommissarin ermitteln, wer so eiskalt sein kann, eine ältere Dame brutal aus dem Hinterhalt zu erschießen. Und die Zeit drängt, denn kurz darauf knallt jemand eine andere Frau durch ihr Küchenfenster ab. Mit Oliver von Bodenstein fahndet die Kommissar nach dem Täter. Aber was, wenn sich kein Motiv finden lässt? Ein Serienmörder, der wahllos tötet?

Nele Neuhaus kommt aus dem beschaulichen Münster in Westfalen und wuchs in dem erzkatholischen Paderborn auf. Anscheinend der richtige Erdboden, um Kriminelles zu Papier zu bringen. Zunächst im Selbstverlag. Dann entdeckte der Ullstein Verlag die begabte Pferdenärrin. Das war der Beginn ihrer Karriere, die sie auf die Bestsellerlisten und ihre Werke in mehr als zwanzig Jahren brachte. 2011 standen fünf bzw. sieben Neuhaus-Krimis zeitweise in der Spiegel-Bestsellerliste. Übrigens gelangten auch mehrere fremdsprachige Lizenzausgaben in Bestseller-Ränge. Auf ihrer Homepage erzählt Neuhaus, wie sie als Fünfjährige in Lautschrift Geschichten über ihr Lieblingstier Eule schrieb. 1981 dann „Jessica – Abenteuer im Reitstall“, ein Pferdebuch in mehreren Schulheften, mit Tesafilm aneinander geklebt. Schon bald schrieb sie auf einer gelben Reiseschreibmaschine und wusste, dass Sie Schriftstellerin werden wollte. Sie muss viele Schubladen mit ihren Geschichten gefüllt haben, denn auch nach der Schulausbildung schrieb sie weiter. Und als sie in der Fleischfabrik ihres Mannes arbeitete, bedeutete ihr das Schreiben Urlaub. Nachdem sie mehr als tausend Seiten über eine New Yorker Investment-Bankerin geschrieben hatte, suchte sie einen Verlag. Doch außer Absagen und Angebote von Zuschussverlagen, die ihr Manuskript für ein paar Zehntausend Euro verlegt hätten – nichts! Niente! Dann nahm Nele Neuhaus ihr Schriftstellerglück selbst in die Hand und veröffentlichte ihr erstes Buch als „Print on Demand“ – 2004. Die 500 gedruckten Exemplare von „Unter Haien“ war schnell verkauft und die Krimischreiberin druckte weiter und weiter. Bis die Leser mehr von ihr verlangten. Sie veröffentlichte ihren ersten „Taunus-Krimi“ („Eine unbeliebte Frau“). Und so ging es weiter. Ein modernes Schriftstellerinnen-Märchen. Am Morgen Fleischfabrik, am Nachmittag Schreibtisch. Und es wird noch besser: 2008 kam der Verlag mit der Eule als Verlagssignet auf Nele Neuhaus zu. Sie erinnern sich: Die Eule war mit fünf Jahren das Lieblingstier der Kinder-Schriftstellerin. Und es brachte ihr Glück, denn 2009 gelangte „Tiefe Wunden“, ihr erstes Buch bei Ullstein, auf die Bestsellerliste. Danach war die Krimischriftstellerin nicht mehr zu bremsen. 2010 stand „Schneewittchen muss sterben“ monatelang bei Amazon auf Verkaufsrang 1.

Nele Neuhaus trennte sich von ihrem Mann, der kein Verständnis für ihren Traum vom Schriftstellerdasein aufbringen konnte und sie eher entmutigte als förderte. An ihr kann man ablesen, was einen starken Menschen ausmacht (ich schreibe bewusst nicht „eine starke Frau“): Nie hat Neuhaus ihren Traum aufgegeben Schriftstellerin zu werden, hat Niederlagen, verletzende Kritik und Rückschläge eingesteckt, um voranzukommen. Ihre Bücher mit Millionenauflage gaben ihr die finanzielle Basis, um die „Nele Neuhaus-Stiftung“ zu errichten, um anderen zu helfen, die SchriftstellerInnen werden wollen, aber keine andere Förderung haben. Nele Neuhaus scheint eine kämpferische Frau zu sein, denn im Sommer 2014 unterschrieb sie mit etwa 1000 anderen deutschsprachigen Autoren einen offenen Brief an Amazon, in dem sie gemeinsam gegen die Methoden des amerikanischen Online-Giganten kämpfen. Aus Bequemlichkeit verkaufte sie ihr erstes Buch „Unter Haien“ in Amerika an Amazon Crossing, dort wurde es für 99 Cent vertrieben – da bleiben für die Autorin nur noch Hunger-Cents. Aus Protest gegen das Geschäftsmodell von Amazon kauft Nele Neuhaus nichts mehr bei Amazon ein.

Sicher findet Die Lebenden und die Toten wieder eine begeisterte Krimigemeinde. Fingierte Todesanzeigen, die bei der Polizei eingehen, verraten einen Abgrund an verquerem Denken des Mannes, der sich „Richter“ nennt und Menschen bestrafen will. Aber wofür? Schon spioniert der eiskalte Täter neue Opfer aus, ein Heckenschütze, dessen Tötungsmuster ein gespenstische Rätsel birgt. Nele Neuhaus versteht es, ein beängstigendes Szenario aufzubauen, das immer neue Wendungen des Falles bereithält – bis zum Schluss. Ich rate Ihnen, reservieren Sie sich genug Zeit zum Lesen!